Dienstag, Februar 13, 2007

Viel hilft viel

Am Samstag vormittag klingelte es mal wieder bei uns. Leider kann ich mir nie merken, an welchem Wochenende der Gärtner kommt, so daß ich, anstatt erstmal vorsichtig durch den Vorhang zu spähen, die Haustür aufreise und mich dann unversehens den Zeugen Jehovas (der Letzte hat mich sogar auf englisch angequatscht), Leuten in seltsamen Notlagen oder schrulligen Nachbarn gegenüber finde.

Nun, diesmal war es eine junge Dame, die mit einem Ausweis wedelte, der übrigens so billig aussah, daß er eigentlich schon wieder echt sein musste und ihr Sprüchlein so schnell vor sich hinnuschelte, daß ich kein Wort verstand. Das war ihr sichtlich peinlich und sie bemühte sich ein zweites Mal:

Sie kommt von der Clinica irgend 'ne Zahl (das ist, wenn es denn stimmt, eine der Kliniken des staatlichen Gesundheitswesens) und ob ich zufällig ein Kind, nicht älter als 5 Jahre, im Hause hätte.

Ja, habe ich. Warum? Ich verkniff mir allerdings den Hinweis, daß das nicht zufällig sondern aufgrund langfristiger Familienplanung der Fall sei.

Wie gesagt, sie kommt von der Clinica irgend 'ne Zahl und sie impfen gegen Polio. Mittlerweile hatten sich zwei weitere Gestalten zu ihr gesellt, eine davon mit einer Kühlbox bewaffnet, und nickten bestätigend mit dem Kopf.

Ich lehne dankend ab, mit dem Hinweis, daß wir regelmäßig zu den Vorsorgeuntersuchungen gehen und unser Kind dort impfen lassen.

Ja, das wäre ja toll, aber sie könnten mein Kind ja trotzdem nochmal impfen, das wäre gar kein Problem, der Impfstoff hätte keinerlei Nebenwirkungen.

Spätestens nach dem Satz hätte ich die Dame nicht mal mehr in Citlalis Nähe gelassen, wenn sie mit einem Ärztediplom gewedelt hätte. Nicht daß ich gegen Impfungen wäre, aber dem Kind einfach mal so auf Verdacht eine Dosis verpassen, schadet ja nix? Das würde ich nichtmal unserem Kinderarzt abkaufen und erst recht nicht ein paar wildfremden Leuten an der Haustür.

Nächsten Samstag klemm' ich die Klingel ab. Oder ist da der Gärtner wieder dran?

Freitag, Februar 09, 2007

Aus der Mottenkiste: Datenschutz

Es war irgendwann in den späten Achzigern, ich war noch auf dem Gymnasium und hatte (wen wundert's) das Wahlfach Informatik belegt. Unser Lehrer (dessen Name mir gerade leider nicht mehr einfällt) war bei uns sehr beliebt, allerdings hatte er einen seltsamen Tick, der ihn des öfteren zum Ziel unseres Spottes machte. Er versuchte immer wieder, uns die Wichtigkeit des Datenschutzes zu erklären.

Wie gesagt, es waren die späten Achziger. Da gab es noch keinen Datenschutzbeauftragten, damals wußten überhaupt nur sehr wenige Leute überhaupt, was Datenschutz denn eigentlich ist, während unser Lehrer eine geradezu paranoide Angst hatte, seine Daten könnten in die falschen Hände geraten. Unser Argument war ein Naives aber nichtsdestotrotz Weitverbreitetes: Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten.

Eines Tages zeigte uns der Herr, dessen Name mir einfach nicht mehr einfallen will (wahrscheinlich wäre er auch gar nicht mal sehr glücklich darüber, im Internet namentlich erwähnt zu werden) eine Programmiersprache aus der Klasse der sogenannten künstlichen Intelligenz, ein Thema das gerade sehr in Mode war und von dem man sich damals sehr viel erhoffte. Es ist übrigens recht still geworden in der Ecke. Aber, zurück zum Thema, wir bekamen eine kurze Einführung ins Thema und sollten anschließend ein bischen damit arbeiten. Wir bekamen eine Datenbank in der die Namen von fiktiven Personen und zu jeder Person ein Verweis auf den Vater und die Mutter gespeichert waren. Das Tolle an der neuen intelligenten Programmiersprache war jetzt, daß man beispielsweise die Relation "Großvater" definieren konnte (Vater von Vater oder Mutter) und das Programm suchte dann selbständig (eben intelligent) nach dem Großvater einer gegebenen Person, während man in einer konventionellen Programmiersprache eben selbst nach dem Vater (oder der Mutter) und anschließend nach dessen (bzw. deren) Vater suchen muß.

Wir machten uns also mit der neuen Sprache vertraut und versuchten, eben eine Großvaterliste erstellen zu lassen. Als irgendwer plötzlich "Boah, die Veronica Schmidt hat zwei Kinder von unterschiedlichen Vätern" rief. Schlaues Kerlchen. Natürlich war die Großvaterliste schnell vergessen, jeder suchte nach kompromittierenden Daten und plötzlich wurde uns klar, daß es dem Lehrer gar nicht so sehr um die neue Programmiersprache ging, sondern darum, uns Einfallspinseln zu zeigen, daß man mit genügend Energie aus scheinbar unverfänglichen Daten durchaus interessante Schlüsse ziehen kann. Und richtig schlimm wird es, wenn falsche Schlüsse gezogen werden. Was ist dabei, wenn die Frau Schmidt sich scheiden lässt und dann mit ihrem zweiten Mann ein zweites Kind hat? Richtig: Nichts. Aber für uns war sie ein ganz wildes Flittchen. Obwohl sie eigentlich nichts zu verbergen hatte.

Mittwoch, Februar 07, 2007

Kreditkarte

Als Antwort auf Rolands Frage Keine Kreditkarte für Ausländer? gibt es von mir ein etwas überraschtes "doch". Seit letzten Freitag bin ich im Besitz einer Solchen.

Einmal die Woche kommt hier eine Dame von Bancomer zu uns ins Büro und versucht uns unnötigen Schnickschnack aufzuschwatzen kümmert sich um unsere finanziellen Belange, so daß wir uns den Weg in die Zweigstelle (hier im gleichen Gebäude) sparen können.

Da ich mir schon seit längerer Zeit eine mexikanische Kreditkarte zulegen wollte und ein bischen auch aus Neugier, ob es klappt, hab' ich die Dame dann mal auf das Thema angesprochen. Sie meinte das wäre auch mit dem FM3 kein Problem, wir füllten den Antrag aus und am Freitag kam sie und überreichte mir meine Kreditkarte. Eigentlich fast schon zu einfach.

Dienstag, Februar 06, 2007

Langes Wochenende

Am Donnerstag war es wieder da, das seltsame Gefühl im Bremspedal. Die Bremse funktionierte zwar noch wie sie sollte, aber der Pedalweg war mal länger, mal kürzer. Gut, daß das schon am Donnerstag war, da gestern (Montag) Feiertag war, wollten wir ans Meer fahren, so hatten wir noch den Freitag, damit sich der Mecanico drum kümmern konnte.

Also brachte Evelyn das Auto Freitag früh in die Werkstatt, die versprachen, sich sofort darum zu kümmern und uns Bescheid zu sagen, sobald sie wissen, was los ist. Eine gute Stunde später dann der Anruf, es hat sich ein Haltebolzen gelöst (mal wieder) und so sind einige Teile der Bremse lose in der Trommel herumgewuselt. Das hat ihnen nicht wirklich gut getan und die Ersatzteile kosten etwa 3500 Peso. Ob sie das machen sollen.

Naja, eine echte Alternative hatten wir nicht, also gaben wir ihen den Auftrag. Ob das noch heute fertig wird, schließlich wollten wir nachts auf die Piste. Ja, das sollte klappen.

Am Nachmittag dann der nächste Anruf, es sind keine Ersatzteile aufzutreiben. Selbst bei Chevrolet haben sie die Teile nicht vorrätig, mal ganz abgesehen davon, daß die 8000 Peso dafür haben wollen würden.

Soviel also zum verlängerten Wochenende am Meer.

Am Samstag bin ich dann mit Mingo losgezogen, Ersatzteile zu besorgen. Wir haben so ziemlich jeden Laden in der Stadt abgeklappert: Nichts. Wirklich gar nichts. Nach langem Suchen und viel Herumtelefoniererei hat uns ein Händler auf einem Schrottplatz in Pachuca einen Satz Bremsen aufgetrieben. Die bekommen wir heute. Wenn alles klappt.

Bei Chevrolet hat man uns bereitwillig jedes Teil aus dem Katalog herausgesucht und uns Preise dazu genannt. Für ein etwa 5cm langes Blechteil wollten die 1140 Peso. Das sind etwa 80 Euro. Für ein Stück Blech. Ich weiss, man kann da nicht einfach nur den Materialwert ansetzen, da ist Transport, Lagerhaltung und vor allem die Entwicklung des Teils mit drin. Aber 1140 Peso? Schnibbelt das der Ingenieur persönlich mit der Blechschere aus? Oder hat es einen vergoldeten Titanium-Kern? Oder funktioniert das beim Auto mitlerweile wie bei den Druckern, man bekommt den Drucker geschenkt und zahlt dafür ein Vermögen für die Tinte? Ich war ja fast schon verzweifelt genug, die geforderten 8000 Peso auf den Tisch zu legen, um vielleicht doch noch ans Meer fahren zu können, aber die hatten das Zeug natürlich auch nicht auf Lager, der Mensch meinte, wenn das Zeug im Zentrallager liegt, hat er es in drei Werktagen da. Und wenn nicht? Dann dauert es länger. Vielen Dank für das Gespräch!

Mittlerweile bin ich vom Tracker etwas genervt. So toll das Ding im Alltag ist, so nervig sind diese Drecks-Bremsen.

Hier noch ein Foto von dem sagenhaft überteuerten Teil, es liegt auf einem normalen (etwa DIN A4) Stück Papier, um eine Vorstellung von der Größe zu ermöglichen.

Freitag, Februar 02, 2007

La Cooperativa

Da mir der Rohbau keine Ruhe lies, sind wir da am Mittwoch nochmal hin, um die Papiere des Verkäufers unter die Lupe zu nehmen. Zur Verstärkung haben wir einen Freund mitgenommen, der sich als Anwalt mit sowas auskennt. Der Verkäufer schlug vor, doch direkt auf's Rathaus zu gehen um uns dort die Richtigkeit der Papiere bestätigen zu lassen.

Das Rathaus stellte sich als Büro einer cooperativa, also einer Genossenschaft heraus. Die wurde gegründet um ein großes Grundstück zu erschliessen, es in Bauland umzuwandeln und es an ihre Mitglieder aufzuteilen. Dabei arbeitet sie mit den zuständigen Behörden, hat unter anderem eine Baugenehmigung für das komplette Grundstück (mittlerweile ein Wohnviertel) und ist gerade dabei, die Escrituras für die einzelnen Besitzer ausstellen zu lassen.

Der Verkäufer hat also ein Papier, welches ihn als Genosse ausweist und in dem ihm die Genossenschaft eine Parzelle zusichert: Genau das Grundstück, auf dem der Rohbau steht. Und nach Aussage eines Genossenschafts-Menschen ist das Grundstück schuldenfrei und es ist kein Problem, wenn er uns seinen Anspruch an der Parzelle verkauft, das geht sogar mit notariellem Vertrag. Der Anwalt konnte da auch keinen Haken erkennen, wir müssen jetzt nur prüfen, ob die Genossenschaft tatsächlich als Eigentümerin im Grundbuch eingetragen ist und ob die Genossenschaft als solche ordentlich registriert ist. Dann wäre der Rohbau wieder im Rennen.

PS: Kennt jemand den Film Top Secret!? Mir geht die ganze Zeit die Kartoffelkooperative durch den Kopf.

Liebe Autofahrer

Die Ampel an der Einmündung Rio Mixcoac - Patriotismo ist ziemlich sinnfrei. Klar, wenn sie grün ist, fährt man sowieso drüber und auch wenn sie Rot anzeigt kann man sich problemlos in den Verkehr auf Patriotismo einfädeln, weshalb gerade morgens im Berufsverkehr kaum ein Unterschied in Eurem Verhalten auszumachen ist.

Da wäre noch ein kleines Detail: An dieser, dem ersten Anschein nach sinnlosen Ampel hängt auch eine Fußgängerampel. Und die ist, (Überaschung!) genau komplementär zur Verkehrsampel geschaltet, sprich wenn ihr Rot habt, haben die Fußgänger Grün und andersherum. Und wie es der Zufall so will, bin ich einer der wenigen Nutzer dieser Fußgängerampel. Da Ihr, wie oben erwähnt keine Anstalten macht, an der roten Ampel anzuhalten, überquere ich die Straße halt vorsichtig, wenn meine Ampel durch ihr grünes Leuchten mir signalisiert, eben dies zu tun. Und mal ganz unter uns: In so manchem zivilisierten Land bedeutet dieses grüne Leuchten, daß man es gefahrlos tun kann. Aber das ist ein anderes Thema, ich schweife ab.

Mein Dank geht an alle die, die kurz anhalten und mich passieren lassen. Ja, sogar an die Dame, die mich letzte Woche fast überfahren hätte, nach der Vollbremsung erstmal wütend ihre Hupe bearbeitete und ziemlich grätig aus der Wäsche schaute. Mein Fingerzeig auf ihre rote Ampel lies ihren Gesichtsausdruck schlagartig von "Was bist Du für ein blöder Arsch" auf "Oh - Mist, das ist mir jetzt aber peinlich" umschlagen. Das zu sehen war den Schreck wert.

Aber an den grenzdebilen Vollspack Herrn im grünen Pick-Up, der sich über die fünf Sekunden Wartezeit dermaßen echauffierte, daß er sich genötigt sah, sein Fenster herunterzukurbeln um mir ein breit angelegtes Repertoir an Beleidungungen nachzurufen: Möge Dein pickliger Arsch von einem schmerzhaften Furunkel heimgesucht werden, welches Dich jedesmal, wenn Du im Auto sitzt, daran erinnert, daß andere Menschen auch Rechte haben.

Donnerstag, Februar 01, 2007

Stromausfall

Schwankungen im Stromnetz oder mal ein etwas längerer Ausfall sind hier ja nicht wirklich selten. Allerdings dachte ich, wir hätten im Büro sowas wie eine unterbrechungsfreie Stromversorgung. Bis gerade eben.

Es dauerte zwar weniger als eine Sekunde, bis der Strom wieder da war, aber unterbrechungsfrei war das definitiv nicht. Schade um die Arbeit der letzten halben Stunde.