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Montag, September 22, 2008

Warten (nicht auf Godot)

Ich hatte schon ganz vergessen, wie das ist, wenn man auf die Migra warten muß. Ich fand das vor vier Jahren ja schon reichlich ätzend, vor zwei Jahren ist es mir dann erspart geblieben, weil der Wechsel zeitlich mit Citlalis Geburts zusammenfiel und ich da sowieso einen Monat frei nehmen wollte. Außerdem soll es (so habe ich mir sagen lassen) in kleinen Firmen kreative Möglichkeiten geben, die Wartezeit zu überbrücken. Nunja, man kann nicht alles haben.

Immerhin, die Chancen stehen gut, daß ich die Genehmigung noch rechtzeitig vor dem Monatsende bekomme, so daß ich zum ersten Oktober anfangen kann.

Es ist ja auch nicht so, daß ich jetzt zu Hause rumsitze und vor Langeweile den Gips von den Wänden beiße, mit Citlali kommt sowieso nur selten Langeweile auf, außerdem haben wir im Haus genügend Baustellen, die ich jetzt nach und nach beseitigen kann. Und letztendlich hat es auch seinen Reiz, unter der Woche ein bischen unterwegs zu sein, die Stadt und das Umland zeigen sich von einer ganz anderen Seite als am Wochenende, wenn Tausenden von Hauptstädtern unterwegs sind und beim Versuch sich zu erholen sich gegenseitig auf den Füßen herumstehen.

So gesehen ist der einzige Nachteil an der Situation, daß hier das Prinzip "Keine Arbeit - keine Kohle" gilt und somit dieser unfreiwillige Urlaub an unseren Ersparnissen zehrt.

Donnerstag, August 07, 2008

Von 100 auf 0 in wenigen Sekunden

Die Überschrift bezieht sich auf meine Laune.

Gerade hat sich mein zukünftiger Arbeitgeber bei mir gemeldet. Migración hat meinen Antrag auf eine Arbeitserlaubnis bei ihm abgelehnt. Weil im Brief meines bisherigen Arbeitgebers steht, daß mein Arbeitsverhältnis dort zum 31. August endet. Und solange ich in Lohn und Brot stehe, kann ich keine Arbeitserlaubnis für einen anderen Job beantragen, sprich, ich darf in der Zeit, in der die Herren über meinen Antrag entscheiden nicht arbeiten.

Was ein Glück, daß sie dafür nur drei bis vier Wochen brauchen.

Montag, Oktober 09, 2006

Schwere Entscheidung

Daß es letzte Woche hier etwas ruhiger zuging, lag hauptsächlich daran, daß ich mich nicht so recht zwischen zwei Jobs entscheiden konnte.

Der Name IBM klingt natürlich verlockend und die Firma an sich bringt einige Vorteile mit sich, beispielsweise die Tatsache, daß sie es angeblich schaffen, meinen Arbeitgeberwechsel bei der Migra in nur zwei Wochen durchzubringen, andererseits verliert der Job bei genauer Betrachtung doch etwas von seinem Glanz. Da es darum geht, Werkzeuge zu verkaufen, werde ich damit beschäftigt sein, diese Werkzeuge kennenzulernen und sie potentiellen Kunden vorzustellen. Dabei werde ich viel lernen, aber auch auf die Technologien beschränkt sein, die von den Werkzeugen unterstützt werden.

Bei der Alternative, Pegasso Technologia, wird es hauptsächlich darum gehen, den Kunden Lösungen für konkrete Probleme vorzuschlagen und diese auch umzusetzen, dabei werde ich Einfluß auf die Wahl der Technologien und Werkzeuge haben und bin dabei natürlich lange nicht so eingeschränkt, wie ich es bei einem Werkzeugehersteller wäre, sondern kann zum Beispiel auch Open-Source Projekte einbringen, die ich persönlich für eine sehr interessante Alternative halte.

Außerdem werde ich bei Pegaso mit den Leuten zusammenarbeiten, die ich vom SAT kenne und mit denen ich sehr gerne zusammengearbeitet habe.

Montag, Oktober 02, 2006

Der Job

Vergangene Woch hatte ich mal bedenken, ob das mit dem Job noch was wird. Dem Cuernavacaner Cuernavacense Mensch aus Cuernavaca hatte ich am Montag abgesagt, erstens zahlte er zu wenig, zweitens war der Job zwar nicht uninteressant, aber eben auch nicht so interessant wie Consulting.

Die Firma der Russin hatte sich nicht mehr gemeldet, und bei IBM will es auch nicht so recht vorwärtsgehen. Und zum Wochenende lief die Bedenkzeit, die ich mir gegenüber ids ausgebeten hatte, ab. Der Job an sich wäre zwar interessant, weil es eben um Consulting geht (wirklich Consulting, nicht nur Leute vermieten) und die Firma Erfahrungen mit ausländischen Mitarbeitern hat, sprich die hätten den Migra-Mist für mich erledigt, aber die Bezahlung auf Honorar-Basis und nicht besonders üppig ist halt doch nicht so prickelnd.

Am Donnerstag dann ein Anruf von der russischen Personalabteilung, man sei nach wie vor sehr an meiner person interessiert und ob ich am Montag anfangen könnte. Natürlich kann ich das nicht (Migra und so), aber ich kann ja mal vorbeikommen, mal sehen, wie die Herren sich das so vorstellen. Ich bin gespannt.

Am Freitag hab' ich dann endlich mal den Mensch von IBM ans Telefon bekommen, der Abteilungsleiter (übrigens ein Holländer) erkärte mir, daß die Genehmigung für die neue Stelle noch aussteht, er hat bereits vier von fünf Unterschriften, aber eine fehlt halt noch. Wenn er die Stelle genehmigt bekommt, bin ich seine erste Wahl. Immerhin was.

Daraufhin hab' ich ids erstmal dankend abgesagt. Hoffentlich war das kein Fehler.

Freitag, September 22, 2006

Jobsuche

So langsam neigt sich mein Urlaubsmonat dem Ende zu, ich muß mich demnächst entscheiden, welchen Job ich danach antreten möchte. Diesmal habe ich echt die Qual der Wahl, ich hatte ja meinen Lebenslauf eine Woche lang in einer Stellenbörse im Internet, woraufhin sich ein halbes Dutzend Firmen meldeten.

Einer meinte tatsächlich, er hätte schonmal ein Vorstellungsgespräch mit mir gehabt. Mir fielen da spontan drei Stück ein, eines mit der Scheffin, die war es nicht, eines in einer kleinen Klitsche, in der ich auch einen Tag gearbeitet habe, da ich zu denen immer noch Kontakt habe, konnten die es auch nicht sein, blieb also nur die Geschichte in Cuernavaca. Und tatsächlich, er arbeitet mittlerweile für eine US-amerikanische Telekomunikationsfirma, die gerade versucht, in Mexico eine Zweigstelle aufzubauen. Wir wurden uns schnell einig, leider sind seine Scheffs ziemlich geizig, so daß ich sein Angebot mal wieder wegen der Kohle ablehnen mußte.

Von meiner russischen Scheffin habe ich immer noch das Angebot, in der neuen Firma zu den gleichen Konditionen wie beim SAT anzufangen, allerdings haben die drei Wochen gebraucht, um mir den obligatorischen Brief mit dem Arbeitsplatzangebot für die Migra zukommen zu lassen. Den ganzen Rest an Papieren, den ich da noch brauche haben sie ganz vergessen, mal sehen, wann das nachkommt. Und die Kollegen, die dort bereits arbeiten, erzählen wenig Erbauliches, das scheint eine SAT-Fortsetzung in anderen Räumen zu werden.

Heute Vormittag war ich mal wieder bei IBM, die suchen jemanden für die Pre-Sales Abteilung, das wäre ein sehr interessanter Job, Präsentationen bei potentiellen Kunden, Ausarbeitung von Prototypen und immer auf dem neuesten Stand der Werkzeuge. Leider ist es nicht einfach, bei IBM reinzukommen, jede Menge Tests und Gespräche.

Und da ist noch die Firma mit den lustigen psychometrischen Tests, die hatten mir ja einen Vertrag angeboten, ich habe mir Bedenkzeit bis Ende nächster Woche erbeten, in der Hoffnung bis dahin eine Antwort von IBM zu haben. Der Job hört sich interessant an, die Bezahlung ist nicht ganz so üppig, dafür hat der Scheff erfahrung mit ausländischen Mitarbeitern, er sagte, seine Firma regelt alle Formalitäten bei der Migra für mich. Das nenne ich Service am Mitarbeiter! Und der Laden ist in der Stadt, nicht in Santa Fe.

Und als ob das nicht reichen würde, ruft mich gerade eine Firma an, sie hätten meinen Lebenslauf im Internet gesehen (der ist da schon seit 6 Wochen nicht mehr drin) und ob ich an einem Job in Aguascalientes interessiert bin. Eigentlich wollte ich ja schon immer mal raus aus dem Moloch, mal sehen, was die zu bieten haben. Der Job hätte den Vorteil, daß ich mich regelmäßiger mit dem Cabronsito zum Wurzelpeterabend treffen könnte.

Mittwoch, September 20, 2006

Psychopatischemetrische Tests

Über psychometrische Tests hatte ich ja schonmal geschrieben, heute durfte ich wieder welche über mich ergehen lassen. Ich hatte ein Vorstellungsgespräch, wurde zuerst zu meinen Technologiekenntnissen befragt, dann kamen zwei psychometrischen Tests, anschließend durfte ich zum Scheff, der mir sagte, ich könnte gleich morgen anfangen, wenn ich will. Seltsamerweise war zwischen Testende und Scheffbüro keine Wartezeit, richtig ausgewertet haben die das sicher nicht. Oder die Tests werden ausgewertet während der Kandidat sich beim Scheff befindet und wenn er sich als Psychopat herausstellt (der Kandidat, nicht der Scheff), stürmt die Security das Scheffbüro.

Sehr bemerkenswert fand ich die Durchführung der Tests. Eine Exceltabelle, die die Ergebnisse gleich ausrechnet und in einer zweiten Mappe darstellt. Schwer zu übersehen, das Ding.

Meine Werte sind demnach:
Moralisch34
Gesetzestreu34
Gleichgültig17
Bestechlich15

Und meine Interessen:
Sozial36
Ökonomisch30
Politisch23
Religiös11


Zugegeben, die Fragen waren dermaßen offensichtlich, da muß man schon extrem seltsam drauf sein, um andere Ergebnisse zu bekommen. Ein Beispiel (Es geht darum, die Antworten in ihrer Wahrscheinlichkeit zu sortieren):

Sie werden von einem Polizisten angehalten, der Ihnen anbietet, sie für ein Trinkgeld weiterfahren zu lassen.
a) Sie fahren davon und lassen den Polizisten einfach stehen
b) Sie bestehen auf einem ordnungsgemäßen Strafzettel
c) Sie drohen dem Polizisten, ihn bei seinen Vorgesetzten zu melden
d) Sie verhandeln mit dem Polizisten, um die Höhe des Trinkgeldes zu drücken

Oder auch klasse:

Sie kommen zu einem Unfall, bei dem eine Person verletzt wurde. Was tun Sie zuerst?
a) Sie rufen einen Krankenwagen
b) Sie beten für den Verletzten
c) Sie stellen sicher, daß der Verletzte nicht bestohlen wird
d) Sie versuchen, den Schuldigen festzuhalten

Wie gesagt, sehr interessant und ich habe ein weiteres Jobangebot. So langsam muß ich mich entscheiden.

Mittwoch, September 06, 2006

Solicitud de Empleo

Ein wichtiges Utensil bei einer Bewerbung ist die Solicitud de Empleo. Das ist ein Formblatt, welches man in fast jeder Papeleria (das ist sowas wie ein Schreibwarenladen) kaufen kann, ich konnte leider nicht herausfinden, ob das Ding einer bestimmten Norm entspricht oder wer sich den Zettel ausgedacht hat. Aber es ist zumindest ein Quasi-Standard, ich wurde bei vielen Vorstellungsgesprächen nach Lebenslauf und Solicitud gefragt.

Was ist also so erwähnenswert an der Solicitud? Prinzipiell ist es ja geschickt, wenn alle Bewerber ihre Daten in das gleiche Formular eintragen, so hat man als Arbeitgeber alle wichtigen Daten auf einen Blick und muß nicht die einzelnen Informationen aus mitunter sehr kreativ gestalteten Lebensläufen heraussuchen. Die Daten, die abgefragt werden, sind allerdings für jemanden, der den deutschen Datenschutz kennt, sehr seltsam.

Neben Dingen wie Sozialversicherungsnummer oder Adresse wird beispielsweise gefragt, ob bei seinen Eltern, seiner Familie, Verwandten oder alleine wohnt. Oder, ob der Ehepartner arbeitet, und wenn ja, wo und wieviel er verdient. Ob man Miete bezahlt (wenn ja wieviel) oder ein Eigenheim besitzt (wenn ja, wieviel ist es wert). Es wird gefragt, ob man schon einmal für jemanden gebürgt hat oder ob man in der Gewerkschaft ist, ob man an irgendeiner Krankheit leidet und Medikamente nimmt oder Sport treibt.

Dagegen wirkt die Frage, welche der Bürogeräte (Fax, Computer und Kopierer) man zu welchem Prozentsatz beherrscht schon sehr erheiternd, wenn man sich als Softwareentwickler bewirbt.

Insgesamt fülle ich die Dinger nur sehr ungern aus, erstens weil es sehr ätzend ist, den kompletten Lebenslauf (alle Schulen und bisherigen Arbeitgeber) nochmal von Hand abzuschreiben, und was ich an Miete zahle geht niemanden etwas an, schließlich erwarte ich keine Almoßen sonder ein Arbeitsentgeld, mit dem mache ich, was ich will. Bisher hat auch noch keiner nachgefragt, weshalb ich da nichts reingeschrieben habe.

Dienstag, August 29, 2006

Jobsuche

Zum Thema Jobsuche hatte ich hier bisher recht wenig geschrieben, hauptsächlich aus dem Grund, weil ich Probleme mit der Liquidación vermeiden wollte. Da ich gerade im SpOn über einen Artikel zum Thema gestolpert bin, den ich Voll und Ganz nachvollziehen kann, hole ich das noch kurz nach:

Zusammenfassend habe ich die Erfahrung gemacht, daß es hier sehr viel einfacher ist, einen Job zu finden, als in Deutschland oder Frankreich. Bevor wir ausgewandert sind, stand auch Frankreich auf unserer Zielliste, ich hatte meinen Lebenslauf im letzten Halbjahr in so ziemlich jeder französischen Stellenbörse (da kam überhaupt nix) und habe über 80 Bewerbungen geschrieben. Das Ergebnis war ernüchternd, insgesamt drei Vorstellungsgespräche, eins in Nîmes, eines in Paris und eines telefonisch mit Avignon, Nîmes war absolut unterbezahlt, die Heinis aus Paris haben sich trotz Rückfragen nie wieder gemeldet und aus Avignon kam eine Absage.

Hier hatte ich meinen Lebenslauf eine Woche bei OCC und wurde einmal am Tag angerufen und zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Gut, die Bezahlung liegt in der Regel 10-20% unter dem, was ich beim SAT verdiente, aber wenigstens gibt es Angebote. Als damals (2002) mein Arbeitgeber in Deutschland pleite ging, fing ich an, an mir zu zweifeln. Ein halbes Jahr zuvor hatten die Head-Hunter noch versucht, uns abzuwerben und jetzt plötzlich war nichts mehr, ein "als Freiberufler vielleicht, wenn wir ein Projekt reinkriegen" war noch das Beste, was zu bekommen war.

Aus fünf Vorstellungsgesprächen kam ich also auf zwei konkrete Angebote, eine Firma hatte sich nicht mehr gemeldet (und ich hatte auch keinen Bock, denen nachzulaufen), die anderen beiden bestanden auf Base de Honorarios (Das ist eine Kombination aus Angestellter und Freiberufler, bei der der Arbeitnehmer die Nachteile beider Formen abkriegt), was ich nicht will.

Insgesamt also eine geniale Bilanz, besser als alles, was ich bisher kenne. Zu einem der Angebote gibt es später noch einen extra Eintrag.

Freitag, August 25, 2006

Auflösung

El Pantalon (Die Hose)Dann werde ich mal versuchen, das Geheimnis aufzudröseln. Da muß ich etwas weiter ausholen:

Die Geschichte beginnt damit, daß recht weit oben beim SAT beschlossen wurde, die Isosa aufzulösen und auch beim SAT massiv Personal abzubauen. Die Isosa machte nichts weiter, als Personal an den SAT zu vermieten, ab Oktober wird eine externe Firma Entwicklung und Wartung der Softwaresysteme zu einem Festpreis übernehmen. Das spart Geld und die Fremdfirma wird sich im eigenen Interesse von unproduktiven Mitarbeitern trennen. Dummerweise kreuzt das die Pläne der Scheffin, die diese Einsparungen dadurch erreichen wollte, hier die Idee einer Softwarefabrik umzusetzen.

Es gibt einen Konzern, der aus gut drei Dutzend einzelnen Firmen besteht. Keine dieser Firmen hat irgendwetwas mit Softwareentwicklung zu tun, so daß EDV-Systeme stets von außen zugekauft werden müssen, was außer dem Preis noch ein paar weitere Nachteile mit sich bringt. Also dachte irgendwer in diesem Konzern darüber nach, sich eine Softwareentwicklertruppe zuzulegen, die könnte dann zum einen die Systeme für andere Firmen im Konzern enwickeln und mit ein paar guten Ideen sogar eigenständig am Markt auftreten.

Nun ist es leider so, daß es recht lange dauert, um ein Entwicklerteam zusammenzustellen. Man muß erstmal Leute suchen und bis die dann auch noch als eingespieltes Team zusammenarbeiten, geht schonmal ein Jahr ins Land. Da ist es doch viel einfacher, ein bestehendes Team zu kaufen. Und genau das ist passiert, irgendwie kennt dieser ominöse Jemand aus dem Konzern wohl die Scheffin und so kam es, daß wir gestern ein Angebot bekommen haben, zu genau den gleichen Bedingungen mit einer Auslese der bisherigen Mannschaft für einen anderen Arbeitgeber zu arbeiten.

Die Geheimniskrämerei war notwendig, weil auch der SAT genau auf diese Auswahl baut und wenn dort an der falschen Stelle jemand merkt, daß genau die Leute, die den Laden nach der Umstrukturierung am Laufen halten sollen, gehen, hätte dieser Jemand auf die Idee kommen können, ein paar Steine in den Weg zu legen.

Das Angebot ist sehr interessant, mir gefällt besonders der Consulting-Charakter, ich mag an meinem Job die Vielfältigkeit, die Möglichkeit, in verschiedenen Branchen mal hinter die Kulissen zu schauen und eben das werden wir dort tun. Und die Bezahlung ist sehr gut, bei meinen verschiedenen Vorstellungsgesprächen in den letzten Wochen (von denen ich hier noch nichts geschrieben habe, weil ich meine Liquidación nicht riskieren wollte), fand ich heraus, daß Consultorias (also genau die Firmen, die mich interessieren) nur auf Honorarbasis arbeiten und generell etwa 10-20% weniger bezahlt wird, als ich im Moment verdiene. Der einzige Wehrmutstropfen ist die Lage des neuen Büros: Santa Fe. Eine sehr interessante Gegend, die leider jeden Morgen und genauso jeden Abend im Verkehrschaos versinkt, weil dort kaum jemand wohnt aber fast die halbe Stadt (ok, vielleicht ein paar weniger) dort arbeitet. Der ganze Verkehr läuft im Prinzip über zwei Straßen, die chronisch verstopft sind, es gibt keine Metro oder einen vom normalen Verkehr unabhängigen Bus und zu allem Unglück liegt das Viertel auch noch auf einem Hügel, so daß das Fahrrad auch nicht wirklich eine Alternative darstellt. Da aber fast alle großen Firmen der Branche dort ihre Büros haben, spricht das nicht wirklich gegen den Job an sich.

Eine endgültige Entscheidung werde ich wohl am Wochenende fällen.

Dienstag, August 22, 2006

No te preocupes!

Man könnte das mit "Mach Dir keine Sorgen" übersetzen, allerdings habe ich mittlerweile das Gefühl, daß man, so man diesen Satz vernimmt, eher das Gegenteil tun sollte.

So langsam kann ich das Geheimnis wohl lüften, ein Teil davon ist bereits kein Geheimnis mehr und der andere Teil scheint sich gerade in Luft aufzulösen. Wie schon sehr oft erwähnt, wird unser Arbeitgeber gerade aufgelöst. Am geheimnisvollen Freitag bat die Scheffin Eduardo und mich in ihr Büro, versicherte sich, daß Tür und Jalousien zu waren und verkündete uns mit verschwörerischer Miene, daß sie den SAT verlassen wird. Und sie wird ihre besten Leute, zu denen sie auch uns beide zählt, mitnehmen. Das Ganze ist schon ausgehandelt, sie geht zu einem großen, multinationalen Konzern und wir werden von denen zu den gleichen Bedingungen übernommen, wie wir sie hier haben. Ab dem ersten September haben wir also einen neuen Job, das geht nahtlos von hier nach da, no se preocupen!. Mehr konnte oder wollte sie uns nicht sagen.

Mittlerweile hat sie offiziell gekündigt und nimmt gerade ihren Resturlaub. Viele ihrer Vertrauten, die alle direkt beim SAT angestellt waren, auch. Wir beide müssen bis zum Monatsende ausharren, wegen der Kiste mit der Liquidación. Blöderweise haben wir seither aber auch nichts mehr von ihr gehört, wir wissen also nicht wirklich, ob wir jetzt in zwei Wochen einen tollen neuen Job haben oder uns besser nach etwas anderem umsehen und da das ja streng geheim war, können wir auch schlecht Fragen, ob sonst noch jemand über die Sache Bescheid weiß. Aber: No te preocupes!

Ein anderes Beispiel für diesen tollen Satz ist Jaime, ein Bekannter. Ich kannte den schon eine Weile, wußte auch, daß er für die Grupo Modelo arbeitet, hatte aber keine echte Ahnung, was er da genau macht, ich hielt ihn ehrlich gesagt eher für einen Verkäufer oder Marketing-Typen. Als dann hier die ersten Gerüchte aufkamen, daß wir outgesourced werden, war das auch Thema auf irgendeinem Fest und plötzlich stellte Jaime sich als Gerente de Sistemas, also Leiter der EDV bei Comextra (die betreiben diese Oxxo-Konkurrenz Extra) heraus. Und prompt bat er mich um einen Lebenslauf, er würde mich irgendwo bei Modelo unterbringen und auch hier fielen mehrmals die beliebten Worte No te preocupes. Mittlerweile schaut er recht sparsam aus der Wäsche, wenn wir uns begegnen und wenn ich ihn auf den Lebenslauf anspreche, kommt außer einem "Ich hab' ihn weitergeleitet, die melden sich bestimmt bald bei Dir, no te preocupes!" nicht mehr sehr viel Zuversichtliches.

Mir ist es egal, ich mach' den September sowieso frei, da werde ich mich meiner neuen, kleinen Familie widmen und für danach hab' ich auch schon eine mündliche Zusage. Und der, der mir das zugesagt hat, hat nicht no te preocupes gesagt!

Mittwoch, September 01, 2004

Ich hab' einen Job !

[Dieser Artikel wurde ursprünglich auf blogall veröffentlicht und anschließend mit den Kommentaren hierher umgezogen.]

Ich hab' einen Job! Und ich hatte sogar die Auswahl zwischen zwei Stellen, die mich beide interessiert haben! Der Reihe nach:

Ich hatte auf eigene Faust im Internet in einer Stellenbörse gesucht und mehrere Bewerbungen verschickt. Und eine Firma aus Cuernavaca hat tatsächlich geantwortet und mich auf ein Vorstellungsgespräch eingeladen.
Die Firma ist relativ Jung, zum einen existieren sie erst seit 3 Jahren, zum anderen liegt das Durchschnittsalter der Mitarbeiter irgendwo knapp unter 30. Sie entwickeln Softwaresysteme für Seehäfen bzw verbinden deren bestehende Systeme mittels Webservices miteinander. Das klingt technisch anspruchsvoll und die Leute haben Ahnung von dem was sie machen. Außerdem gefällt mir die Stadt Cuernavaca, erstens ist sie kleiner als Mexico-Stadt (nicht wirklich verwunderlich) und hat ein sehr angenehmes, heißes, aber trockenes Klima. Man nennt sie auch "die Stadt des ewigen Frühlings". Außerdem laufen die Entwickler dort in Jeans und T-Shirt rum, was meinem persönlichen Kleidungsstil sehr entgegenkommt.
Die Bezahlung liegt natürlich unter dem Niveau von Mexico-Stadt, zumal das Leben in Cuernavaca auch etwas günstiger ist, allerdings wird jeden zweiten Samstag ein halber Tag gearbeitet und es gibt nur eine Woche Urlaub pro Jahr.

Und schließlich hat sich doch noch ein Termin im zentralen Rechenzentrum des Steuerwesens (oder wie man das auch übersetzen mag) gefunden. Die wollen mit mehreren Teams in Java verschiedene Projekte entwickeln, dazu sollen Prozesse entwickelt, Schulungsunterlagen erstellt und die Leute geschult werden. Klingt auch nicht schlecht, außerdem bietet der Laden, alleine wegen seiner Größe mehr Chancen für die Zukunft. Ich muß mir da zwar eine Krawatte umbinden, aber dafür bezahlen sie sehr gut und bieten 3 Wochen Urlaub, freie Wochenenden und viele andere nette Vergünstigungen.

Aus diesem Grunde werden wir erstmal hier in Mexico-Stadt bleiben. Irgendwo hab' ich vor kurzem gelesen, daß man sie "Ciudad de la esperanza", also "Stadt der Hoffnung" nennt. Da fallen mir jede Menge zynischer Kommentare dazu ein, die ich besser für mich behalte ;-)

Allerdings hat sich die Stadt in den letzte Jahren auch verändert, und zwar zum Positiven. Sie ist nicht mehr ganz so schmuddelig und auch nicht mehr so gefährlich, die Regierung tut einiges, um das Leben in der Stadt angenehmer zu gestalten, was bei über 20 Millionen Einwohnern nicht gerade einfach ist.

Zurück zum Thema: Ich werde also wahrscheinlich (so genau weiß man das noch nicht, wegen dem ganzen Papierkram) zum 15.9. meinen neuen Job antreten.

Mittwoch, August 25, 2004

Kurzer Statusbericht

[Dieser Artikel wurde ursprünglich auf blogall veröffentlicht und anschließend mit den Kommentaren hierher umgezogen.]

Heute morgen haben wir unsere mexikanische Heiratsurkunde bekommen. Jetzt können wir also die Sache mit meinem Visum angehen.

Am Dienstag habe ich endlich meinen Kontakt, den mir Paco vermittelt hat, erreichen können. Am Freitag habe ich ein Vorstellungsgespräch.

Und morgen habe ich ein Vorstellungsgespräch in Cuernavaca. Da bin ich auch schon sehr gespannt drauf, die Stadt soll sehr schön sein, grüner als D.F., kleiner (logisch) und es soll da sogar wärmer sein. Und doch nur knapp 2 Stunden von hier entfernt. Mal sehen.

Samstag, August 21, 2004

Mein erster Arbeitstag

[Dieser Artikel wurde ursprünglich auf blogall veröffentlicht und anschließend mit den Kommentaren hierher umgezogen.]

Der eigentliche Auslößer für unseren Auswanderungsversuch war ja die Aussicht auf einen Job hier bei den Finanzbehörden, bzw deren Informatik-Abteilung. Leider war aber mein Freund, der mir den Kontakt vermittelt hatte und die Abteilungsleiterin, der er mich vorstellen wollte, im Urlaub (ganz unabhängig voneinander).

Also hab' ich mal angefangen, auf eigene Faust im Internet Stellen zu suchen und Bewerbungen zu schreiben. Und tatsächlich bekam ich letzte Woche die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch.

Eine kleine Firma, bestehend aus etwa 15 Leuten, programmiert für irgendeine Behörde mittels Java und Struts, so daß Anträge Online übers Internet gestellt und entschieden werden können. Dazu haben sie eine kleine Truppe von 8 Leuten, die alle recht frisch von der Uni kommen und entsprechend unerfahren sind.

Mein Job sollte sein, die technische Leitung zu übernehmen, die 8 zu coachen und so die Entwicklung zu beschleunigen.

Das war zwar nicht genau das, was ich gesucht hatte, klang aber nicht schlecht, also hab' ich zugesagt.

Also war am Dienstag mein erster Arbeitstag. Arbeitszeit angeblich von 9 bis halb sieben, ich kam dummerweise 10 Minuten zu spät, was aber immer noch 10 Minuten früher war, als alle anderen :-)

Zuerst fing ich also damit an, zu analysieren, was die Jungs so machen. Dokumentation oder Pflichtenheft gab's nicht, also hab' ich mir den Code erklären lassen und fand es anfangs irgendwie etwas verwunderlich, daß die alles in einer Action und einer Formbean unterbrachten. Dann wurde mir allerdings schnell klar, warum: Was die Jungs machen ist nichts anderes, als ein Papierformular auf einer Website abzubilden, in die der Antragsteller dann seine Daten eintragen und abschicken kann. Dann werden die Daten in einer Datenbank abgelegt und wenn der Beamte den Antrag aufruft, wieder dargestellt. Das war's.
Keinerlei Entscheidungen, keine Business-Logic oder Ähnliches. Und dafür verwenden die Struts (Das wird hier übrigens mit "u" ausgesprochen).

Ich hab' mich dann mal mit dem Scheff zusammengesetzt und ihm ernsthaft empfohlen, auf Visual-Basic umzusatteln. Davon war er natürlich gar nicht begeistert. Er hat gelesen, daß Java und Struts für diese Art von Projekten genau das Richtige ist, und obwohl er ja von der Technik keine Ahnung hat, sieht er doch, daß es funktioniert, nur eben zu langsam. Und ich kenne mich ja voll aus, schließlich hab' ich doch gerade das Problem mit dem Datei-Upload gelöst.

Ja hatte ich, aber das war mal schnell in der Doku suchen, was ausprobieren und schon ging's. Das hätten seine Jungs auch selbst gekonnt, wenn sie nicht so sehr mit ihren Anfängerproblemen beschäftigt wären. Nicht gerade eine echte technische Herausforderung und irgendwie hatte ich plötzlich ganz stark das Gefühl, daß ich da zwar sehr viel Erfahrung im Schulen von Anfängern sammeln kann, technisch aber eher auf der Stelle treten werde. Und aus diesem Grunde war dies dann auch mein letzter Arbeitstag. Mal sehen, was sich als Nächstes ergibt, am Montag kommt die Abteilungsleiterin aus dem Urlaub, da werde ich gleich mal anrufen.

Bleibt die Frage: Sollte ich diese Erfahrung in meinen Lebenslauf aufnehmen? Immerhin war ich für einen Tag technischer Leiter :-)


Noch ein Schmankerl für die Java-Kenner:

Während des Code-Reviews fiel mir folgende Methode auf:

public Collection returnCol(Vector v) {
Collection c = (Collection)v;
return c;
}

Die wurde jedesmal aufgerufen, wenn eine Methode laut API-Doku eine Collection als Übergabeparameter verlangte :-)

1| ....


Von: Ich · 22.08.2004 um 3:06:37 Uhr

Hey!

zu allererst: wirklich interessant zu lesen; Schreib mehr davon, is zwar nich so ganz die Sparte in der ich mich auskenne, aber es klingt vom Kopf her recht nachvollziehbar.

In meinem Unternehmen (in dem ich im Service Desk angestellt bin ... ) laeufts aehnlich. Ich hab bisher noch nich rausgefunden, wie man die Entscheidungtraeger auf seine Seite zieht ... aber um aufs Thema zurueckzukommen: Viuel Glueck fuer den neuen Job. Hoffe fuer die Leser, dass du erneut amuesierende Geschichten ueber die Angestellten deines neuen Zuechters erzaehlen kannst ;)

beste gruesse
ich