Samstag, August 21, 2004

Mein erster Arbeitstag

[Dieser Artikel wurde ursprünglich auf blogall veröffentlicht und anschließend mit den Kommentaren hierher umgezogen.]

Der eigentliche Auslößer für unseren Auswanderungsversuch war ja die Aussicht auf einen Job hier bei den Finanzbehörden, bzw deren Informatik-Abteilung. Leider war aber mein Freund, der mir den Kontakt vermittelt hatte und die Abteilungsleiterin, der er mich vorstellen wollte, im Urlaub (ganz unabhängig voneinander).

Also hab' ich mal angefangen, auf eigene Faust im Internet Stellen zu suchen und Bewerbungen zu schreiben. Und tatsächlich bekam ich letzte Woche die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch.

Eine kleine Firma, bestehend aus etwa 15 Leuten, programmiert für irgendeine Behörde mittels Java und Struts, so daß Anträge Online übers Internet gestellt und entschieden werden können. Dazu haben sie eine kleine Truppe von 8 Leuten, die alle recht frisch von der Uni kommen und entsprechend unerfahren sind.

Mein Job sollte sein, die technische Leitung zu übernehmen, die 8 zu coachen und so die Entwicklung zu beschleunigen.

Das war zwar nicht genau das, was ich gesucht hatte, klang aber nicht schlecht, also hab' ich zugesagt.

Also war am Dienstag mein erster Arbeitstag. Arbeitszeit angeblich von 9 bis halb sieben, ich kam dummerweise 10 Minuten zu spät, was aber immer noch 10 Minuten früher war, als alle anderen :-)

Zuerst fing ich also damit an, zu analysieren, was die Jungs so machen. Dokumentation oder Pflichtenheft gab's nicht, also hab' ich mir den Code erklären lassen und fand es anfangs irgendwie etwas verwunderlich, daß die alles in einer Action und einer Formbean unterbrachten. Dann wurde mir allerdings schnell klar, warum: Was die Jungs machen ist nichts anderes, als ein Papierformular auf einer Website abzubilden, in die der Antragsteller dann seine Daten eintragen und abschicken kann. Dann werden die Daten in einer Datenbank abgelegt und wenn der Beamte den Antrag aufruft, wieder dargestellt. Das war's.
Keinerlei Entscheidungen, keine Business-Logic oder Ähnliches. Und dafür verwenden die Struts (Das wird hier übrigens mit "u" ausgesprochen).

Ich hab' mich dann mal mit dem Scheff zusammengesetzt und ihm ernsthaft empfohlen, auf Visual-Basic umzusatteln. Davon war er natürlich gar nicht begeistert. Er hat gelesen, daß Java und Struts für diese Art von Projekten genau das Richtige ist, und obwohl er ja von der Technik keine Ahnung hat, sieht er doch, daß es funktioniert, nur eben zu langsam. Und ich kenne mich ja voll aus, schließlich hab' ich doch gerade das Problem mit dem Datei-Upload gelöst.

Ja hatte ich, aber das war mal schnell in der Doku suchen, was ausprobieren und schon ging's. Das hätten seine Jungs auch selbst gekonnt, wenn sie nicht so sehr mit ihren Anfängerproblemen beschäftigt wären. Nicht gerade eine echte technische Herausforderung und irgendwie hatte ich plötzlich ganz stark das Gefühl, daß ich da zwar sehr viel Erfahrung im Schulen von Anfängern sammeln kann, technisch aber eher auf der Stelle treten werde. Und aus diesem Grunde war dies dann auch mein letzter Arbeitstag. Mal sehen, was sich als Nächstes ergibt, am Montag kommt die Abteilungsleiterin aus dem Urlaub, da werde ich gleich mal anrufen.

Bleibt die Frage: Sollte ich diese Erfahrung in meinen Lebenslauf aufnehmen? Immerhin war ich für einen Tag technischer Leiter :-)


Noch ein Schmankerl für die Java-Kenner:

Während des Code-Reviews fiel mir folgende Methode auf:

public Collection returnCol(Vector v) {
Collection c = (Collection)v;
return c;
}

Die wurde jedesmal aufgerufen, wenn eine Methode laut API-Doku eine Collection als Übergabeparameter verlangte :-)

1| ....


Von: Ich · 22.08.2004 um 3:06:37 Uhr

Hey!

zu allererst: wirklich interessant zu lesen; Schreib mehr davon, is zwar nich so ganz die Sparte in der ich mich auskenne, aber es klingt vom Kopf her recht nachvollziehbar.

In meinem Unternehmen (in dem ich im Service Desk angestellt bin ... ) laeufts aehnlich. Ich hab bisher noch nich rausgefunden, wie man die Entscheidungtraeger auf seine Seite zieht ... aber um aufs Thema zurueckzukommen: Viuel Glueck fuer den neuen Job. Hoffe fuer die Leser, dass du erneut amuesierende Geschichten ueber die Angestellten deines neuen Zuechters erzaehlen kannst ;)

beste gruesse
ich



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