Dienstag, August 15, 2006

Katz und Maus

Hier im Büro gibt es ein Katz und Maus-Spiel. Es geht darum, daß die Scheffin natürlich daran interessiert ist, daß die Angestellten auch die Zeit, die sie bezahlt werden, arbeiten. Und es gibt Angestellte, die damit zufrieden sind, daß sie bezahlt werden, je weniger sie dafür tun müssen, umso besser.

Als ich vor knapp 2 Jahren hier anfing, standen an verschiedenen Stellen im Gebäude Rechner, in die man zur Anwesenheitskontrolle beim Kommen und Gehen eine "Geheimnummer" eintippen mußte, die Nummer wurde mit der Uhrzeit in einer Datenbank gespeichert, das war so eine Art virtuelle Stechuhr. Das System war nicht schwer zu umgehen, wenn man mal spät dran war, rief man kurz einen Kollegen an, der tippte die Nummer ein und gut war.

Wenn man das im großen Stil praktiziert (es gibt Gerüchte von Leuten, die Dank dieser Methode tagelang nicht zur Arbeit kamen) fällt das natürlich auf. Also wurde das System in verschiedenen Varianten durchgespielt: Nach 9 durfte keiner mehr ins Gebäude, wer einmal drin war durfte vor Feierabend nicht wieder raus, wer nach 9 kam wurde von den Wachleuten gemeldet und was weiß ich, was es da noch alles gab.

Letztendlich wurden die Anwesenheits-Kontroll-Rechner mit Fingerabdruckscannern versehen, man konnte also den Kollegen nicht mehr so einfach vorschicken. Das gab, zusammen mit der Vorschrift, daß während der Arbeitszeit niemand ohne Sondergenehmigung das Gelände verlassen darf, eine halbwegs praktikable Lösung. Aber auch hier zeigte sich der Einfallsreichtum der Angestellten: Einige kamen jetzt eben vor Neun, gaben ihren Fingerabdruck ab und gingen wieder nach drausen. Schließlich wollten sie nur kurz ihre schwere Tasche abstellen und dann noch schnell draußen eine Flasche Wasser kaufen. Das gaben sie zumindest den Wachmännern an, in Wahrheit gingen sie erstmal Frühstücken, einige dieser Kasper waren selten vor 10 an ihrem Schreibtisch anzutreffen. Der Höhepunkt dieser Geschichte war ein Angestellter, der von der Scheffin zur Rede gestellt wurde und ihr antwortete "Ja aber Scheffin, Du erwartest doch nicht im Ernst, daß ich arbeite ohne gefrühstückt zu haben?".

Mittlerweile haben wir am Eingang Drehkreuze. Diese öffnen sich nur, wenn man seine Karte an einem schwarzen Kästchen vorbeizieht und anschließend der zur Karte gehörige Fingerabdruck richtig gelesen wird. Da sämtliche Bewegungen gespeichert werden, haben wir somit ein hieb- und stichfestes Anwesenheitskontrollsystem. Theoretisch. Das schwarze Kästchen hat nämlich eine Tastatur, in die man seine Angestelltennummer eingeben kann, wenn man mal seine Karte vergessen hat. Oder man gibt eine spezielle Nummer ein, woraufhin das Drehkreuz sich öffnet, ohne nach einem Fingerabdruck zu fragen. Es gibt schon wieder die ersten "Spät-Frühstücker".

Eigentlich schade, daß in 2 Wochen hier Schicht im Schacht ist, der Unterhaltungswert ist recht hoch.

Kommentare:

  1. LOL
    Das nennt man mexicanische Improvisations-Kunst. Funktioniert allerdings nur bei Dingen, bei denen man andere über's Ohr haut oder sich illegale Vorteile verschafft.

    Bei anderen, positiveren Dingen klappt das nicht... - z.B. wird Río Churubusco immer noch mitternachts von orange-gekleideten Kolonnen mit dem Besen gefegt.

    AntwortenLöschen
  2. Was nen Aufwand...und ich schicke jeden Monat ne einfache Excel-Liste an unsere Buchhaltung, in die ich meine Stunden selber eingetragen habe... :-)
    Ist aber echt dreist, was die lieben Kollegen bei dir da veranstalten, Andreas. Ich seh das auch nicht soo eng, sprich, ob ich nun um 8 oder 5 nach 8 ins Büro komme, ist (mir) völlig schnurz - ich gehe schließlich auch nie superpünktlich nach Haus...aber anstempeln und dann erst mal frühstücken gehen...neenee. :-|

    Rio Churubusco? Da hab ich letztes Jahr das bisher einzige mir bekannte Modellbau-Geschäft gesehen (gibt bestimmt noch mehr in DF) - war aber leider noch nicht drin zum gucken.

    AntwortenLöschen
  3. Das mit der Tabelle (wir hatten OpenOffice) kannte ich auch so in D, aber hier wird das wohl zu sehr ausgenutzt.

    Ich kenne beispielsweise jemanden, der ein Jahr von Modelo ein Gehalt bezogen hat, ohne auch nur einmal dort gewesen zu sein. Davon mußte er natürlich dem Helden, der ihn auf die Gehaltsliste gebracht hatte, was abgeben, aber es ging beiden recht gut mit der Masche, bis der Held irgendwann aufflog. Was dem dann passierte weiß ich nicht, aber beim Phantom-Arbeiter kam nichts mehr nach. Der fand's nur blöd, daß er zum Abschied keine Abfindung bekommen hat ;-)

    Es gibt noch einen sehr gut sortierten Modellbauladen in der Nähe des Goethe-Instituts. Den in Rio Churubusco mußt Du mir im Dezember mal zeigen.

    AntwortenLöschen
  4. Funktioniert allerdings nur bei Dingen, bei denen man andere über's Ohr haut oder sich illegale Vorteile verschafft.

    Oder, um es mal anders zu formulieren:

    Wenn die Jungs die Energie, die sie ins "sich gegenseitig über's Ohr hauen" stecken in die Weltraumforschung investieren würden, könnte man auf dem Mond schon lange Tacos kaufen.

    AntwortenLöschen
  5. "(...) Modellbauladen (...)"
    Redet Ihr von Modell-Eisenbahnen? H0 und so?
    Dann würde mich das auch interessieren. Habe noch ein Trafo-Problem mit meiner ollen Lima-Modellbahn, die ich mir vorletztes Jahr aus D mitgebracht habe und die seither dumm rumliegt (hm, habe mich aber auch nicht um Problemlösung bemüht).

    AntwortenLöschen
  6. Ich rede von Automodellen, entweder diese Plastikdingern die man selbst zusammenklebt (und die seltsamerweise nie so aussehen wie auf der Schachtel) oder Metall-Sammelstücke (ich nenn' jetzt mal Bburago als Beispiel, obwohl das eigentlich noch Spielzeug ist).

    Aber ich hab' ein Multimeter und ich kann mit 'nem Lötkolben umgehen, wenn Du einen auftreibst. Oder wenn es schwieriger ist, gibt es im Zentrum einen Elektronik-Basar, die sehen aus, als könnten sie alles flicken.

    AntwortenLöschen
  7. Und ich rede von den Autos, Schiffen, Flugzeugen usw. die man per Fernsteuerung bedienen kann. :-))))

    Hab den Laden nur 2 Sekunden gesehen, als wir auf dem Weg zu Ixhels alter Uni mit dem Taxi die RC runtergeflitzt sind.
    (Die Uni ist in einem alten Kloster untergebracht. Ah, hier isse: Uni
    RC müsste ganz in der Nähe verlaufen, kann das passen?)

    @Andreas: OpenOffice benutze ich zuhause auch, aber im Büro muß ich leider das M$ Geraffel nehmen...

    @Roland: War früher auch großer Eisenbahn Fan, erst ne Trix H0 und dann ne Märklin Spur Z, hab aber schon vor Jahren alles verscherbelt (war nen Fehler...)

    AntwortenLöschen
  8. Ja, Automodelle hab' ich auch. Da ich aber zwei linke Hände für den Selbstbau habe (und nicht genügend Geduld), liegt in D noch eine Sammlung von Matchbox-Oldtimern im Schrank und daneben ein Plastikkoffer voll mit Sikus, Matchboxes und Majorettes in 1A-Zustand (sprich: ohne Lackkratzer und versenkte Achsen (weil da mal einer draufgetreten ist)).

    Hach, die gute, alte Kiddy-Zeit... ;-)

    AntwortenLöschen
  9. Mmhhh, Automodelle.
    Hab ich auch, habe gar nicht daran gedacht, sind nämlich keine zum Zusammenbauen und auch nicht sowas wie die Bburago Autos:
    Ich habe eine kleine Slotcar-Sammlung (Slotcar ist neudeutsch für das, was wir früher mal "Carrera-Autos" genannt haben) in den Maßstäben H0, 1:32 und 1:24. Im Maßstab H0 ungefähr 40 Autos, hauptsächlich vom Hersteller Lifelike aus Gringoland, die hier ziemlich selten sind (so wie der gesamte H0 Maßstab in Sachen Slotcars in D ziemlich selten ist, während er in den USA DAS System ist...). Und in 1:32 und 1:24 u.a. einige "Limited Editions", darunter auch der legendäre, auf 170 Stück limitierte "DSCF-Mustang", der mittlerweile bei Ebay gut 700 Euro kostet... :-)

    AntwortenLöschen
  10. Der Vollständigkeit halber: Gestern sind wir an dem Laden am Rio Churubusco vorbeigekommen: Leer. Hing leider auch kein Zettel dran, ob sie aufgegeben haben oder umgezogen sind.

    AntwortenLöschen