Dienstag, August 29, 2006

Jobsuche

Zum Thema Jobsuche hatte ich hier bisher recht wenig geschrieben, hauptsächlich aus dem Grund, weil ich Probleme mit der Liquidación vermeiden wollte. Da ich gerade im SpOn über einen Artikel zum Thema gestolpert bin, den ich Voll und Ganz nachvollziehen kann, hole ich das noch kurz nach:

Zusammenfassend habe ich die Erfahrung gemacht, daß es hier sehr viel einfacher ist, einen Job zu finden, als in Deutschland oder Frankreich. Bevor wir ausgewandert sind, stand auch Frankreich auf unserer Zielliste, ich hatte meinen Lebenslauf im letzten Halbjahr in so ziemlich jeder französischen Stellenbörse (da kam überhaupt nix) und habe über 80 Bewerbungen geschrieben. Das Ergebnis war ernüchternd, insgesamt drei Vorstellungsgespräche, eins in Nîmes, eines in Paris und eines telefonisch mit Avignon, Nîmes war absolut unterbezahlt, die Heinis aus Paris haben sich trotz Rückfragen nie wieder gemeldet und aus Avignon kam eine Absage.

Hier hatte ich meinen Lebenslauf eine Woche bei OCC und wurde einmal am Tag angerufen und zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Gut, die Bezahlung liegt in der Regel 10-20% unter dem, was ich beim SAT verdiente, aber wenigstens gibt es Angebote. Als damals (2002) mein Arbeitgeber in Deutschland pleite ging, fing ich an, an mir zu zweifeln. Ein halbes Jahr zuvor hatten die Head-Hunter noch versucht, uns abzuwerben und jetzt plötzlich war nichts mehr, ein "als Freiberufler vielleicht, wenn wir ein Projekt reinkriegen" war noch das Beste, was zu bekommen war.

Aus fünf Vorstellungsgesprächen kam ich also auf zwei konkrete Angebote, eine Firma hatte sich nicht mehr gemeldet (und ich hatte auch keinen Bock, denen nachzulaufen), die anderen beiden bestanden auf Base de Honorarios (Das ist eine Kombination aus Angestellter und Freiberufler, bei der der Arbeitnehmer die Nachteile beider Formen abkriegt), was ich nicht will.

Insgesamt also eine geniale Bilanz, besser als alles, was ich bisher kenne. Zu einem der Angebote gibt es später noch einen extra Eintrag.

Kommentare:

  1. Hallo Andreas,

    was bedeutet 10-20 % weniger als beim SAT.
    Da ich auch mit dem Gedanken spiele nach Mexico auszuwandern wüsste ich gerne mal wieviel man so normalerweise in deiner, bzw. in meiner Branche (Dipl. Ing. Elektrotechnik) verdient.

    Viele Grüße aus dem kühlen Deutschland

    Michael

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  2. Na, als Dipl.-Ing solltest Du doch die Prozentrechnung beherrschen, oder ;-)

    Im Ernst, bei den Elektrotechnikern kenne ich mich nicht aus und die EDV-Tarife lassen sich sicher nicht einfach so übertragen, die liegen auch hier gut über dem Ingenieurs-Durchschnitt.

    Um Dir jetzt einfach mal ein paar Zahlen zu nennen: ein einfacher Programmierer frisch von der Uni fängt hier mit etwa 10.000 bis 15.000 Peso netto an. Mit viel Erfahrung kann man es als Architekt verteilter Systeme (J2EE oder .net) auf bis zu 30.000 netto bringen, das ist dann aber schon sehr fett und diese Posten sind eigentlich nur per Beziehungen zu erreichen.

    Schau Dir doch einfach mal bei http://www.occ.com.mx die Angebote in Deiner Branche an, da findest Du sicher die eine oder andere Gehaltsangabe.

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  3. Muy buenos dias,

    mein Name ist Stephan und ich sitze gerade in meinem Stammcafé in Guadalajara bei dem ich für 3 € einen riesigen Fruchtsalat, Kaffee as much as I want, Brot, Butter und Marmelade, ein Hauptgericht nach Wahl und ein großes Glas frischen Orangensaft bekomme. Die Palmen davor und das Internet sind gratis. Aber das nur nebenbei... Bezüglich des Arbeitens in Mexiko und im Allgemeinen kann man die Dinge immer aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten.

    Meine Erfahrungen sind, dass gerade entsandte Manager, sich oft gerne nach außen hin als Vogel Strauß darstellen und mir immer noch den Tipp geben, in kein Bocho-Taxi zu steigen. Wie uncool! Natürlich wissen sie nicht, dass ich mehr Kilometer in Taxis als in meinem Dienstwagen bewältigt habe. Ich frag dann immer, wie lange sie denn schon hier leben und wie oft sie denn ausgeraubt, entführt und enthauptet wurden. Sie wissen auch nicht, dass ich inzwischen mehr als 7 Jahre Erfahrungen im Land der Atzeken mitbringe. Sieben Jahre, in denen ich vom einfachsten Studentenleben (trotz Studierens an einer der renomiertesten Unis Lateinamerikas), über meine Tätigkeit im diplomatischen Dienst im mex.Außenministerium bis hin zum oberen Mgt. bei einer Hamburger Reederei in D.F. so ziemlich mit allen sozialen Schichten, Ideologien und Nationalitäten zusammengekommen bin. Meine erste Gastfamilie warf mich raus, weil ich gegen Regel Nr.11 des zweiseitigen Hostfamily Vertrages verstoßen habe. Auf der Straße auf meinen Koffern sitzend und nicht wissen, wo die kommende Nacht verbracht wird bis hin zum 5* Luxushotel lernte ich so ziemlich die gesamte Spanne des Lebens für Unterbringungen kennen. Ich liebe dieses Land und habe ihm vieles zu verdanken. Das was ich bin bin ich auch wegen Mexiko. All diese Erfahrungen hätte ich nie und nimmer in Dt., dem Land der Regelungen, Verordnungen und Vorschriften machen können. Trotz Erfolg entscheide ich mich mit einem weinenden und einem lachenden Auge, zumindest für einige Zeit nach Dt.zurückzugehen.

    Wer in Mexiko arbeiten möchte, muss sich konkret die Frage stellen, warum und was er erreichen möchte. Ob er ernsthaft was auf die Beine zu stellen gewillt ist, ob er sich ein dauerhaftes Leben außerhalb des fürsorglichen deutschen Wattebausches vorstellen kann, ob er nur abhängen und ein bißchen die Abenteuerromantik des Aussteigens genießen möchte oder ob er seine Entscheidung unter einer klimatischen Depression trifft, weil es wieder mal seit Tagen in Dt. regnet etc. Meistens kehren die Letzteren ernüchtert nach Dt. zurück. Mit Entschlossenheit, Pioniergeist, einem gesunden Menschenverstand und dem notwendigen Anpassungsvermögen (bitte nicht mit blindem Kopieren der hiesigen Mentalität verwechseln - wirkt nicht gerade authentisch) ist jedoch immer noch eine Menge möglich. Denen wünsche ich alles erdenklich Gute und mucha suerte!

    Stephan

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  4. Aber holla, du scheinst ja so ziemlich jede Weltsprache zu sprechen, dass du dich in so vielen Ländern einfach mal beworben hast. Ich glaub ich bin nur in englischsprachigen Ländern einsetzbar, woanders würde ich verhungern ;o)

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  5. @Stephan:

    Ja, die Entsendevertragler sind ein Schlag für sich. Ich mag es zwar gar nicht, Leute über einen Kamm zu scheren, aber mit denen habe ich ein Problem, seit mir mal einer bei Bosch mein mickriges Praktikantengehalt von 1600 Peso auf 0 (in Worten null) zusammengestrichen hat. Auf meinen Einwurf "Aber ich habe doch einen Vertrag mit Ihnen, in dem sie mir das Gehalt zusichern" fing er an zu grinsen und meinte "Gehen Sie doch mal zu einem mexikanischen Anwalt, das wäre sicher eine Erfahrung wert. Wissen Sie, Herr Bohn, das nennen wir Standortvorteil". Dazu fällt mir auch nach Jahren kein Kommentar ein, der nicht schwer beleidigend oder abgrundlos zynisch wäre.

    Mein einziger Trost ist, daß der Kerl mittlerweile wieder in Deutschland hockt und seinen Mexico-Aufenthalt wahrschenilich nicht halb so genossen hat, wie ich.

    @Roland (Media Addicted)

    So viele sind es gar nicht, am Gymnasium in Baden-Würtemberg sind zwei Fremdsprachen sowieso Pflicht und Französisch hat mir, im Gegensatz zu Englisch immer schon viel Spaß gemacht, ich hab' sogar zweimal versucht, nach Südfrankreich auszuwandern, hat aber leider nicht geklappt. Das wäre vielleicht auch mal einen Eintrag wert.

    Was ich eigentlich sagen wollte: Wenn man erstmal eine romanische Sprache spricht, lernt man die anderen auch recht schnell, es hilft natürlich auch, wenn man sich ein bischen für Kommunikation, Sprachen im Allgemeinen, Wortherkunft und Grammatik interessiert.

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  6. Du hast das (kl)Latinum vergessen!

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  7. Nein, das hatte ich absichtlich unterschlagen ;-)

    Latein hat mir in der Schule zwar Spaß gemacht, vor allem hat es mir sehr geholfen, die Grammatiken anderer Sprachen zu verstehen, aber es ist wirklich fast nichts hängengeblieben, ich kann also nicht ein Wort auf seinen lateinischen Ursprung zurückführen und dadurch irgendwie seine Bedeutung herleiten.

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  8. Moin Andras,

    nun Günter Grass ist nicht gerade das, was ich als Vorbild bezeichne, aber entsandt bin ich auch. Eben von besagter Reederei. Mit allem "nice to have". Aber das ist nicht der Punkt. Sondern empathisches Denken. Versetze Dich in die Situation des anderen und entscheide dann! In Deinem Fall war das leider nicht so. Interessant ist ein Artikel von Alex Wolf der Ausgabe 08/2006 des Wirtschaftsmagazins "Brand eins". Es geht ums Spielen. Und das Spielen in Dt. immer eine ernste Sache ist, die man auf Krativitäts- und Kommunikationsseminaren pauken muss. Schließlich ist der moderne dt. Manager von heute per Order eine kreative Denkfabrik. Leider funktioniert das eben so nicht. In Übersee und Asien sagt man "Thinking outside the box", wenn es um Veränderungen und Innovation geht. Das ist eben einer DER Vorteile außerhalb unseres komplizierten alles absichernden Netzes und einer DER Gründe, warum hochqualifizierte Menschen Dt. den Rücken zuwenden. Aber auch für ganz normale Menschen bieten sich vielseitige Möglichkeiten an, die in good old Germany undenkbar wären. Voraussetzung sind, egal ob Handwerker, Manager, Unternehmer, Facharbeiter etc., immer die in meinem ersten Posting erwähnten Eigenschaften.

    Saludos
    Stephan

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