Donnerstag, Juli 08, 2010

Ein Jahr vorbei

Wie schnell die Zeit vergeht. Am Montag ging Citlalis erstes Kindergartenjahr zu Ende. Dazu gab es übrigens eine kleine Feierlichkeit, auf der die Ältesten verabschiedet wurden. Teil des Zeremoniells war die Übergabe der Fahne (keine popelige Schulfahne, sondern die Nationalflagge!) an den nächsten Jahrgang. Dabei ging es ziemlich militärisch zu, man marschierte knappe zwei Meter, der Standartenführer gab die Befehle und die Fahne wurde feierlich überreicht, mit dem Auftrag, sie weiterhin zu ehren und zu beschützen. Warum zum Geier feiert man in einem privat finanzierten Kindergarten einen Staat, der es nicht auf die Reihe bringt, der Allgemeinheit ein vernünftiges Bildungswesen zur Verfügung zu stellen?

Erstaunlich finde ich, was Citlali in diesem ersten Jahr gelernt hat. Sie kann beispielsweise die Zahlen von 1 bis 9 und die Vokale lesen und schreiben, sie kennt die Farben und weiss, wo Rechts und Links ist. Wenn mich meine Erinnerung nicht trügt (ist ja schon 'ne Ecke her) hatten wir damals im Kindergarten noch nichts mit Lesen oder gar Schreiben am Hut, das kam erst in der Grundschule. Aber das ist heutzutage in Deutschland wahrscheinlich auch anders, oder?

Wir sind auf alle Fälle mit der Wahl des Kindergartens sehr zufrieden. Anfangs hatte ich Bedenken, weil es eben nicht der Kindergarten der deutschen Schule ist, aber mittlerweile bin ich überzeugt, dass sie genug lernt und ich bin froh, dass wir uns den Stress mit der Fahrerei nicht angetan haben.

2 Kommentare:

  1. Ja, demselben Spektakel durfte ich vorletzten Freitag auch beiwohnen (aber nur, weil meine Kleine dort einen Tanz vorführte; als der vorbei war, bin ich gegangen).
    Mexicaner neigen dazu, ihre "símbolos patrios" hochzujubeln (es gibt sogar ein absurd anmutendes Gesetz dazu); zu jeder halbwegs offiziellen Veranstaltung wird mit Fahne marschiert und das Kriegslied (a.k.a. himno nacional) gesungen (hm, meist vom Band abgespielt), während die Anwesenden alle aufstehen, mit der rechten Hand ihr Herz vor Sonne und Regen schützen und mitgrölen (singen ist was anderes).

    Weitaus lächerlicher finde ich, dass heutzutage 6-jährige ein albernes dunkelblaues Bettlaken (a.k.a. Talar) und diesen übergrossen Bierdeckel mit Bommel anziehen (müssen?), nur weil sie den Kindergarten (!!) beendet haben.

    Bei all' diesem nationalen Getue (der hier als civismo bezeichnet wird und sehr wichtig zu sein scheint) frage ich mich, was das mittel- bis langfristig bringt.
    Hat irgendein delincuente wegen der Nationalflagge mal keinen Überfall begangen? Hat ein Drogendealer seine Tätigkeiten aufgegeben (oder gar nicht erst angefangen), weil er den Text der National-Hymne kennt? Würde ein Mord-Kommando seinen Auftrag nicht ausführen, weil der Soldat eine hoheitliche Aufgabe zum Schutze des mexicanischen Volkes ausführt?
    Ich bezweifle das genauso, wie ich den Sinn nationalistischen Getues bezweifle. In der Zeit, in der Fahne gehisst, salutiert und gesungen wird, in der 100 Jahre (sinnlose) Revolution und 200 Jahre (vermeintliche) Unabhängigkeit gefeiert, in der die Spieler einer mediocren Fussball-Nationalmannschaft zu Helden stilisiert werden, kann man das Geld für weitaus sinnvolleres verwenden - und Misstände gibt es wahrlich genug.

    Soweit mein Wort zum Sonntag. ;-)

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  2. Ach so, fast vergessen:

    Hup Holland im Finale!

    :-)

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