Montag, Januar 22, 2007

Rad(tor)tour

Am Freitag war ich mal wieder mit dem Fahrrad unterwegs. Ich wollte einfach mal ausprobieren, ob das Fahrrad als Alternative auf dem Weg zur Arbeit taugt.

Das Problem mit dem Auto ist ganz einfach der Verkehr. Um morgens um acht Uhr im Büro anzufangen, muss ich bereits um halb sieben losfahren. So komme ich zwar schon um halb acht an, fahre ich aber nur 15 Minuten später los, ist der Verkehr bereits so stark, daß die Fahrerei erstens recht stressig ist und es zeitlich auch schon eng wird.

Die Heimfahrt abends ist ein Lotteriespiel. An manchen Tagen kommt man recht problemlos in einer Stunde nach Hause, an anderen quält man sich in Schrittgeschwindigkeit durch die Stadt und braucht dann auch schonmal zwei Stunden für die Strecke.

Da es von Tasqueña nach Santa Fe etwa 25km sind, sollte das Fahrrad also nicht unbedingt sehr viel langsamer und vor allem unabhängiger vom Verkehr sein.

Also fuhr ich morgens zur gewohnten Zeit um halbs sieben los, ziemlich genau eine Stunde später war ich am Parque de Chapultepec. Bis hierhin verläuft die Strecke ziemlich eben, es sind auf 15km nur etwa 40 Höhenmeter zu überwinden, die nächsten 10km sind mit 190 Höhenmetern recht heftig.

Da ich es langsam angehen lies, brauchte ich insgesamt eine Stunde und 40 Minuten, das lässt sich sicher auf eineinhalb Stunden verkürzen, funktioniert also. Klar, auf der Steigung hatte ich meine Klamotten durchgeschwitzt, aber ich hatte vorsichtshalber was zum Wechseln dabei.

So fieberte ich den ganzen Tag der Heimfahrt entgegen, ich freute mich auf die Abfahrt und darauf, an den Autos vorbei nach Hause zu radeln, gerade Freitags ist das Verkehrsaufkommen besonders hoch.

Die Abfahrt war tatsächlich genial, man kommt auf den Geraden fast auf die gleiche Geschwindigkeit wie die Autos und an den Topes (Bremshügeln) kann man sie dutzendweise überholen. Nach 20 Minuten war ich wieder am Parque de Chapultepec und kalkulierte meine Ankunft zu Hause gerade auf etwa halb sieben, als sich das Hinterrad plötzlich recht schwammig anfühlte. Und da fiel mir wieder ein, was ich eigentlich noch hätte gekauft haben wollen: Flickzeug und 'ne Luftpumpe.

Himmel, Arsch und Wolkenbruch, ich hatte mir einen Nagel eingefahren. Und wirklich rein gar nichts an Werkzeug dabei. Selten so geflucht.

Also erstmal ein Stückchen geschoben und versucht, auf einen klaren Gedanken zu kommen. Auf der Ciclovía, auf der ich mich mittlerweile befand, stehen alle paar Kilometer Uniformständer Polizisten, die eigens dafür da sind, die Sicherheit der Radfahrer zu gewährleisten und meist auch mit einem Fahrrad ausgerüstet sind. Also fragte ich die nächste Gruppe, die ich traf, die hatten aber kein Werkzeug mit und hatten auch keinerlei Ahnung, ob es in der Nähe irgendwo eine Werstatt gäbe.

Nachdem ich genug geschoben hatte und auch partout kein Taxi fand, welches mich mit Rad mitnehmen wollte, kettete ich mein verhindertes Fortbewegungsmittel irgendwo an ein Geländer und nahm mir eben alleine ein Taxi nach Hause. Natürlich war der Verkehr mittlerweile typisch freitäglich zäh, wir brauchten eine Ewigkeit und anschließend brauchte ich nochmal zwei Ewigkeiten um das Fahrad mit dem Tracker abzuholen. Immerhin war es noch dort, wo ich es gelassen hatte, es hätte mich absolut nicht gewundert, wenn es mitsamt dem Zaun verschwunden wäre.

Und so brauchte ich für den Rückweg insgesamt etwa viereinhalb Stunden, das hatte ich auch noch nie. Und am Samstag hab' ich mir dann eine ganz tolle multifunktions-high-tec-Luftpumpe und ein billiges Flickzeug gekauft. Vielleicht läßt meine Aversion gegen das Rad (welches ja nun wirklich nix für meine Odyssee kann) demnächst wieder nach, dann versuche ich es nochmal.

Kommentare:

  1. Apropos "High-Tech-Luftpumpe": ich hab' mir damals so eine französische, zusammenklappbare gekauft. "Ziemlich teuer -also gut- und so schön klein", dachte ich... - funktioniert nicht, dat Driet-Ding!

    Irgendwann kam ein Freund an und schenkte mir so eine China-Fußpumpe von einem Straßenstand. Dat Teil tut's; sehr gut sogar. Mein Käfer hat damit auch mal ein paar Pusten gekriegt, als der Hinterreifen etwas platter aussah.

    Fazit: nicht alles, was teuer ist, ist gut.
    Hoffentlich funktioniert Deine Pumpe, wenn Du sie brauchst!

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  2. Fazit: nicht alles, was teuer ist, ist gut.
    Oder anders ausgedrückt: Schlechtes muß nicht billig sein!

    Ich hab' sie natürlich schon mal ausprobiert, gestern hab' ich schonmal einen neuen Schlauch ins Hinterrad eingezogen und das Ganze mit der neuen Pumpe aufgepustet. Sie ist ihr Geld wert!

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  3. Erst mal Hut ab. Jetzt kenn ich den Verkehr, die Fahrweise und die Strassenverhältnisse im D.F. nicht, gehe aber mal davon aus, dass da Monterrey nicht so ganz unterschiedlich ist.
    Mir als altem Rennradfahrer fällt es wirklich schwer hier auf meine regelmäßigen Runden zu verzichten. Allerdings ist mir mein Leben zu wertvoll, um dem nächst bestem Pe**ejo in den Kotflügel seines TSURU zu fahren.
    Ich frag mich also, wie du im D.F. durch den Berufverkehr radelst. Das gibt bestimmt voll den Adrenalin-Kick;)

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  4. Ärgerlich, jau...
    Lass dir mal nen paar vernünftige Fahrradreifen mitbringen, z.B. von Schwalbe. Ein Satz "Marathon Supreme" oder "Marathon XR" dürfte für DF das richtige sein. :-) Hier gibts auch Infos dazu.
    Kannst du aber bestimmt auch in Gringoland bestellen. ;-)
    Diese Miniluftpumpen sind nicht schlecht, ich hab auch so eine, ein Billigteil, aber funzt bestens. Hier in D gibt es auch (angeblich) pannensichere Schläuche, die mit so einer Art Gummilösung gefüllt sind, die im Pannenfall kleinere Löscher quasi automatisch schließen soll. Hab ich bei meinem Trekkingrad eingebaut, hatte aber bisher zum Glück noch nie nen Plattfuß und kann daher nicht beurteilen, ob und wie gut oder schlecht das funktioniert...

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