Dienstag, Juli 04, 2006

Tankstellen-Nepp

Gestern abend waren wir unterwegs von Acapulco in Richtung DeEffe, in Chilpancingo fuhr ich zum letzten Tankstop an einer Tankstelle. Neben mir saß Ivan, ein Freund, Evelyn saß auf dem Rücksitz und wir unterhielten uns über irgendetwas. Der Tankwart begrüßte uns durch das geöffnete Fenster auf der Beifahrerseite, ich reichte ihm den Schlüssel und bat ihn vollzutanken.

Während wir uns weiter unterhielten, tat der Tankwart seine Arbeit, das Benzin füllte langsam den Tank und er putzte die Scheiben. Danach unterbrach er unsere Unterhaltung, er wollte 340 Peso. Ich suchte meinen Geldbeutel, gab ihm einen 500-Peso-Schein und während ich auf kurz abgelenkt war, wiederholte der Tankwart "Das macht 340 Peso" und hielt einen Fünfziger in der Hand. Ich sagte irgendetwas in der Art "Oh, Entschuldigung, ich dachte, ich hätte Ihnen einen Fünfhunderter gegeben" und nahm wieder meinen Geldbeutel in die Hand. Normalerweise vertue ich mich eher selten mit den Scheinen, da ich die immer der Größe nach geordnet im Geldbeutel habe, aber kann ja mal vorkommen. Dummerweise war in meinem Geldbeutel aber gar kein 500er mehr. Und ich war mir sicher, vor dem Tanken noch einen solchen gehabt zu haben.

Und während in mir langsam die Erkenntnis dämmerte "Du wirst gerade abgezockt", meldete sich Evelyn von der Rückbank, was denn das Problem sei, ich hätte dem Tankwart doch einen 500er gegeben, sie hat den ja gesehen. Der Tankwart schaute mich weiter erwartungsvoll an, als Ivan ihm direkt sagte "Du hast gerade 500 Peso gekriegt, wie wär's mit Wechselgeld?". Mit einem "Ja, klar, ich such gerade nach Scheinen", zog er das für Tankwarte hier typische Bündel Scheine aus einer Tasche, entnahm einen Hunderter, fingerte eine Zehn-Peso-Münze aus einer anderen Tasche und gab mir so meine 160 Peso Wechselgeld.

Ich war immer noch etwas irritiert und fragte zunächst Evelyn auf Deutsch: "Hat der gerade versucht mich zu verarschen?" Ihre Antwort war ein ziemlich wütendes "Ja". Also fragte ich auch Ivan, diesmal auf Spanisch und auch er auch er war der Meinung, daß das ein Versuch war, uns um 450 Peso abzuzocken. Also sagte ich dem Tankwart, ich möchte bitte seinen Scheff sprechen. Er meinte, ohne zu zögern, der sei da drüben im Büro, ich sprang aus dem Auto und stürmte auf selbiges zu. Der Wachmann vor dem Büro nahm plötzlich Haltung an und griff demonstrativ zum seinem Gewehr, ich sagte ihm, ich wolle nur den Scheff sprechen, der in dem Moment auch schon in der Tür erschien.

Nachdem ich ihm kurz die Geschichte geschildert hatte, fragte er nur knapp, ob ich mein Wechselgeld denn zurückerhalten hätte, ich sagte ja, bestand aber darauf, daß der Typ versuchte, mich abzuzocken und versuchte, ihm klar zu machen, daß ich die Schnautze voll habe von Typen, die glauben, sie könnten mich zum Narren halten. Er hörte mir allerdings schon gar nicht mehr zu, ging zur Zapfsäule, herrschte den Tankwart an, er solle seine Einnahmen abliefern und verschwinden und wies einen weiteren Tankwart an, die entsprechende Zapfsäule zu schließen und abzurechnen.

Damit hatte ich nun gar nicht gerechnet. Vom Tankwart kam übrigens nicht eine Spur des Aufbegehrens, er fragte nichtmal nach dem Warum. So ein Arsch!

Kommentare:

  1. Ist ja echt total dreist... :-(((
    Gut, daß du nicht alleine warst, dann hätte der Dreckskerl dich da in aller Ruhe über den Tisch ziehen können.
    Und das der Tankwart nicht gefragt hat, warum - er konnte es sich wohl schon denken, oder?!
    War da nicht auch mal irgendwas, dass der Liter in MX an den Tankstellen auch nicht immer unbedingt ein ganzer Liter ist, aber natürlich "ordnungsgemäss" abgerechnet wird?

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  2. Ja, das mit den Litern zu einem Liter ist hier immer wieder ein Thema, Roland hat da auch schonmal was darüber geschrieben, aber ich finde den Eintrag im Moment leider nicht.

    Ich dokumentiere ja meinen Verbrauch seit Anfang des Jahres bei spritmonitor.de und mitunter habe ich schonmal den Verdacht, daß ich eigentlich nicht so viel verbraucht habe, wie der Tankwart mir angeblich verkauft haben will.

    Aber da ist nicht viel zu machen, ab und zu wird mal eine Tankstelle zugemacht, wenn sie es wirklich übertreibt, der krasseste Fall war eine an der typischerweise viele auf der Durchreise tanken, da fällt es nicht so auf, die verkaufte Liter zu 600ml.

    Um auch mal wieder etwas positives über Deutschland zu schreiben: So ein Eichamt ist schon eine tolle Sache für den Verbraucher.

    Dafür kostet aber der Liter Sprit (bzw. das, was einem als ein Liter verkauft wird) hier weniger als einen halben Euro ;-)

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  3. Hab die Beiträge bei Roland gestern abend auch noch gefunden.

    Du hast geschrieben
    "ging zur Zapfsäule, herrschte den Tankwart an, er solle seine Einnahmen abliefern und verschwinden und wies einen weiteren Tankwart an, die entsprechende Zapfsäule zu schließen und abzurechnen."

    Sprich, er hat den Abzocker gefeuert?! Richtig so. Hoffentlich lernt der Trottel was daraus.

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  4. Ich bin mir ziemlich sicher, dass selbst die "Entlassung" System hat - sprich: der Chef verdient mit an der Betrugsnummer und ist der iegntliche Initiator.
    Nachdem Du die Tankstelle verlassen hast, kam der Tankwart wieder, um weitere ahnungslose Touristen abzuzocken (so wie mich).

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