Donnerstag, August 31, 2006

Abschied

Es ist ein komisches Gefühl, wenn man der Scheff-Sekretärin seine Zugangskarte gibt und diese plötzlich mit den Tränen kämpft.

Der Letzte

Heute ist mein letzter Arbeitstag hier bei ISOSA. Ein bischen seltsam fühlt sich das schon an, allerdings werde ich dem Job nicht wirklich nachtrauern.

Es war mein erster ernsthafter Job hier in Mexico, ich habe sehr viel gelernt, leider beschränkt sich das Gelernte hauptsächlich auf die Unterschiede zwischen dem Arbeitsleben in Deutschland und in Mexico.

Technisch gesehen war es nicht so ergiebig, das erste Jahr habe ich mich mit der Definition eines Software-Entwicklungs-Prozesses herumgeschlagen, das Projekt, in dem dieser Prozess dann zur Anwendung kommen sollte, wurde aus politischen Gründen gestrichen, das anschließende Projekt fiel jetzt dem Ende der ISOSA zum Opfer und auch unser toller Prozess wird wahrscheinlich in der Rundablage landen. Eine ziemlich miese Bilanz für zwei Jahre.

Auf der positiven Seite steht, daß ich Freunde gewonnen habe, mit denen ich wahrscheinlich auch in Zukunt zusammenarbeiten werde, ich nenne hier einfach mal Eduardo, von dem ich einiges gelernt habe (und von dem ich in einem ernsthaften Projekt sicher noch viel mehr lernen kann) und Erwin, mit dem mich viele private Interessen verbinden und der mir auch immer gerne hilft, wenn ich über die Feinheiten der spanischen Sprache stolpere.

Sehr seltsam fand ich natürlich auch die seltsam verschlungenen Machenschaften der ISOSA bzw. der COSISA, Peter schreibt hier darüber.

Nichtsdestotrotz hat es uns gerade dieser Job ermöglicht, hier in Mexico Fuß zu fassen und alleine deshalb wird er mir wohl immer in Erinnerung bleiben.

Mittwoch, August 30, 2006

Warten

Das Strampeltier will nicht raus. Gerade waren wir bei der letzten geplanten Vorsorgeuntersuchung, es ist alles so wie es sein soll, das Kind wiegt jetzt schätzungsweise dreieinhalb Kilo, ist da, wo es sein soll, macht aber keinerlei Anstalten, rauszukommen. Die Senkwehen haben wir hinter uns (bzw. hat Evelyn hinter sich, ich hab' davon wenig mitbekommen), aber es ist bisher noch keine Wehentätigkeit aufgetreten, keine Übungswehen, nichts. Das ist laut der Ärztin kein Problem, aber ein bischen nervig ist es schon, wenn man jeden Tag auf das große Ereignis wartet und es passiert einfach nichts.

Dienstag, August 29, 2006

Jobsuche

Zum Thema Jobsuche hatte ich hier bisher recht wenig geschrieben, hauptsächlich aus dem Grund, weil ich Probleme mit der Liquidación vermeiden wollte. Da ich gerade im SpOn über einen Artikel zum Thema gestolpert bin, den ich Voll und Ganz nachvollziehen kann, hole ich das noch kurz nach:

Zusammenfassend habe ich die Erfahrung gemacht, daß es hier sehr viel einfacher ist, einen Job zu finden, als in Deutschland oder Frankreich. Bevor wir ausgewandert sind, stand auch Frankreich auf unserer Zielliste, ich hatte meinen Lebenslauf im letzten Halbjahr in so ziemlich jeder französischen Stellenbörse (da kam überhaupt nix) und habe über 80 Bewerbungen geschrieben. Das Ergebnis war ernüchternd, insgesamt drei Vorstellungsgespräche, eins in Nîmes, eines in Paris und eines telefonisch mit Avignon, Nîmes war absolut unterbezahlt, die Heinis aus Paris haben sich trotz Rückfragen nie wieder gemeldet und aus Avignon kam eine Absage.

Hier hatte ich meinen Lebenslauf eine Woche bei OCC und wurde einmal am Tag angerufen und zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Gut, die Bezahlung liegt in der Regel 10-20% unter dem, was ich beim SAT verdiente, aber wenigstens gibt es Angebote. Als damals (2002) mein Arbeitgeber in Deutschland pleite ging, fing ich an, an mir zu zweifeln. Ein halbes Jahr zuvor hatten die Head-Hunter noch versucht, uns abzuwerben und jetzt plötzlich war nichts mehr, ein "als Freiberufler vielleicht, wenn wir ein Projekt reinkriegen" war noch das Beste, was zu bekommen war.

Aus fünf Vorstellungsgesprächen kam ich also auf zwei konkrete Angebote, eine Firma hatte sich nicht mehr gemeldet (und ich hatte auch keinen Bock, denen nachzulaufen), die anderen beiden bestanden auf Base de Honorarios (Das ist eine Kombination aus Angestellter und Freiberufler, bei der der Arbeitnehmer die Nachteile beider Formen abkriegt), was ich nicht will.

Insgesamt also eine geniale Bilanz, besser als alles, was ich bisher kenne. Zu einem der Angebote gibt es später noch einen extra Eintrag.

Montag, August 28, 2006

Abgezollt

I'm blogging thisVor zwei Wochen kamen wir hier im Büro auf die Idee, ein paar Dinge bei Think Geek zu bestellen, beispielsweise ein T-Shirt mit der Warnung an den Gegenüber, daß alles, was er sagt (oder tut) gebloggt werden kann. Um Versandkosten zu sparen, fassten wir drei Bestellungen zu einer zusammen, was sich im Nachhinein als Fehler herausstellte.

Das Paket (deklarierter Warenwert knappe 300 Dollar) wurde vom Zoll geöffnet und mit 35% Zoll belegt, dazu kamen 15% Mehrwertsteuer auf den Paketwert und die Zollabgaben(!). So waren die T-Shirts gleich mal 50% teurer als erwartet. Wir haben dann mal hier intern ein paar Kontakte bemüht, immerhin arbeiten die mit unserer Software und bekamen den Rat, bei Bestellungen aus dem Ausland den Warenwert unter 1000 Peso zu halten, die würden nur stichprobenartig kontrolliert, größere Sachen würden prinzipiell geöffnet.

Hinterher ist man immer schlauer.

Sonntag, August 27, 2006

Modellbau

Da hier ja versehentlich schonmal das Thema auf Modellbau zu sprechen kam, hier eine Info, die den Einen oder Anderen vielleicht interessieren könnte. Wir waren heute im Centro Comercial Santa Fe und da habe ich einen kleinen Laden entdeckt, der so ziemlich das komplette Spektrum an Modellen abdeckt: Modelleisenbahnen, Plastikmodelle zum Zusammenbauen (Autos, Flugzeuge und Schiffe, hauptsächlich Revel), Auto-Sammlermodelle und ferngesteuerte Autos und Hubschrauber. Das ist fast ein bischen viel für den kleinen Laden, aber die beiden, die darin bedient haben, scheinen Ahnung zu haben.

Der Laden nennt sich Trenes Santa Fe und befindet sich im obersten Stockwerk in der Nähe vom Palacio de Hierro. Ich habe mir übrigens den Alpine-Bausatz von Tamiya gekauft, dafür wollten sie 500 Peso.

Freitag, August 25, 2006

Auflösung

El Pantalon (Die Hose)Dann werde ich mal versuchen, das Geheimnis aufzudröseln. Da muß ich etwas weiter ausholen:

Die Geschichte beginnt damit, daß recht weit oben beim SAT beschlossen wurde, die Isosa aufzulösen und auch beim SAT massiv Personal abzubauen. Die Isosa machte nichts weiter, als Personal an den SAT zu vermieten, ab Oktober wird eine externe Firma Entwicklung und Wartung der Softwaresysteme zu einem Festpreis übernehmen. Das spart Geld und die Fremdfirma wird sich im eigenen Interesse von unproduktiven Mitarbeitern trennen. Dummerweise kreuzt das die Pläne der Scheffin, die diese Einsparungen dadurch erreichen wollte, hier die Idee einer Softwarefabrik umzusetzen.

Es gibt einen Konzern, der aus gut drei Dutzend einzelnen Firmen besteht. Keine dieser Firmen hat irgendwetwas mit Softwareentwicklung zu tun, so daß EDV-Systeme stets von außen zugekauft werden müssen, was außer dem Preis noch ein paar weitere Nachteile mit sich bringt. Also dachte irgendwer in diesem Konzern darüber nach, sich eine Softwareentwicklertruppe zuzulegen, die könnte dann zum einen die Systeme für andere Firmen im Konzern enwickeln und mit ein paar guten Ideen sogar eigenständig am Markt auftreten.

Nun ist es leider so, daß es recht lange dauert, um ein Entwicklerteam zusammenzustellen. Man muß erstmal Leute suchen und bis die dann auch noch als eingespieltes Team zusammenarbeiten, geht schonmal ein Jahr ins Land. Da ist es doch viel einfacher, ein bestehendes Team zu kaufen. Und genau das ist passiert, irgendwie kennt dieser ominöse Jemand aus dem Konzern wohl die Scheffin und so kam es, daß wir gestern ein Angebot bekommen haben, zu genau den gleichen Bedingungen mit einer Auslese der bisherigen Mannschaft für einen anderen Arbeitgeber zu arbeiten.

Die Geheimniskrämerei war notwendig, weil auch der SAT genau auf diese Auswahl baut und wenn dort an der falschen Stelle jemand merkt, daß genau die Leute, die den Laden nach der Umstrukturierung am Laufen halten sollen, gehen, hätte dieser Jemand auf die Idee kommen können, ein paar Steine in den Weg zu legen.

Das Angebot ist sehr interessant, mir gefällt besonders der Consulting-Charakter, ich mag an meinem Job die Vielfältigkeit, die Möglichkeit, in verschiedenen Branchen mal hinter die Kulissen zu schauen und eben das werden wir dort tun. Und die Bezahlung ist sehr gut, bei meinen verschiedenen Vorstellungsgesprächen in den letzten Wochen (von denen ich hier noch nichts geschrieben habe, weil ich meine Liquidación nicht riskieren wollte), fand ich heraus, daß Consultorias (also genau die Firmen, die mich interessieren) nur auf Honorarbasis arbeiten und generell etwa 10-20% weniger bezahlt wird, als ich im Moment verdiene. Der einzige Wehrmutstropfen ist die Lage des neuen Büros: Santa Fe. Eine sehr interessante Gegend, die leider jeden Morgen und genauso jeden Abend im Verkehrschaos versinkt, weil dort kaum jemand wohnt aber fast die halbe Stadt (ok, vielleicht ein paar weniger) dort arbeitet. Der ganze Verkehr läuft im Prinzip über zwei Straßen, die chronisch verstopft sind, es gibt keine Metro oder einen vom normalen Verkehr unabhängigen Bus und zu allem Unglück liegt das Viertel auch noch auf einem Hügel, so daß das Fahrrad auch nicht wirklich eine Alternative darstellt. Da aber fast alle großen Firmen der Branche dort ihre Büros haben, spricht das nicht wirklich gegen den Job an sich.

Eine endgültige Entscheidung werde ich wohl am Wochenende fällen.