Donnerstag, Dezember 30, 2004

Ausgeraubt!

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Gestern abend hatte ich ein Erlebnis der besonderen Art: Nach der Arbeit bin ich noch schnell zum Home-Depot (sowas wie der Obi) was kaufen und auf dem Rückweg hab' ich mich dann irgendwie verfahren. Irgendwann stand ich dann mitten auf dem Busbahnhof und hab' eine Möglichkeit gesucht, da wieder rauszukommen. Die meisten Busse hier sind übrigens Kleinbusse, entweder der gute alte VW-Bus oder irgendwas amerikanisches, etwa in der Grösse eines Mercedes Spriner. Die Dinger sind recht agil und werden von ihren Fahrern ziemlich agressiv bewegt und auf dem Busbahnhof herrschte ein hefiges Gewimmel. Plötzlich sah' ich dann einen Haufen (4 oder 5) Polizisten, die sehr aktiv wurden, heftig ihre Trillerpfeifen bemühten und mich zum Halten aufforderten. Na gut, die können mir sicher sagen, wie ich hier rauskomme.


Ja von wegen! Das ist der Busbahnhof. Da dürfen nur autorisierte Fahrzeuge (Busse halt) rein und ich habe drei (!) Hinweisschilder ignoriert und die Strafe dafür liegt bei soundsoviel (die Zahl hab' ich vergessen) Mindestlöhnen (Strafen werden hier in der Regel in "Anzahl Mindestlöhne" angegeben, bei einer entsprechenden Inflation ist es einfacher diesen Mindestlohn anzupassen, als alle paar Monate den Bussgeldkatalog neu zu drucken), das sind etwa 800 Peso (ca 55 Euro). Strafen in dieser Höhe werden dann nicht direkt vom Polizisten kassiert, sondern sind an einer Zahlstelle zu entrichten, die abends um halb acht natürlich schon zu hat. Und um sicherzustellen, dass man die Strafe doch zahlt, wird das Auto an Ort und Stelle beschlagnahmt und erst wieder gegen die entsprechende Quittung der Zahlstelle rausgerückt.


Das hatte ich nicht erwartet. Dann natürlich die obligatorische Frage nach den Papieren, netterweise haben die wenigstens meinen Deutschen Führerschein (ich hab' noch den Rosa Lappen, nicht die EU-Karte) problemlos akzeptiert. Ich hab' dann gefragt, wie ich denn dann nach Hause komme. Und was sagt die Pappnase zu mir? Nimm doch den Bus! Oder wir rufen Dir auch gerne ein Taxi. Ich hab's dann mal mit Verhandeln versucht, kann man denn da gar nix machen, ich hab's ja niht absichtlich gemacht und es tut mir auch soooo leid und ich brauch' doch das Auto und ich kann morgen nicht zur Zahlstelle weil ich doch arbeiten muss und ich kenn mich halt in der Stadt nicht aus und hab auch die Schilder wirklich nicht gesehen oder nicht verstanden und ich zahl' das auch gleich, wenn das irgendwie geht.


Zugegeben, ich hab tatsächlich ein Schild gesehen auf dem irgendwas mit "autorisiert" stand, aber ich war auf der Suche nach dem richtigen Weg nach Hause, und irgendwie hatte ich bisher das Gefühl, dass ich sowiese der einzige bin, der Schilder beachtet und an roten Ampeln stehen bleibt, bis sie grün werden und drum hab' ich das Ding halt ignoriert bzw nicht mal richtig gelesen. Ausserdem musste ich mich auf den verkehr konzentrieren, denn um mich herum wimmelte es nur so von Kleinbussen :-}


Irgendwie hat sich der Typ dann doch erweichen lassen und weil ich natürlich nicht so viel Bargeld dabei hatte, haben mich zwei von den Heinis zur Bank begleitet beziehungsweise sich von mir zur Bank fahren lassen. Unterwegs haben wir dann ein wenig geplaudert, der Armleuchter erzählte mir was von den notorisch fremdgehenden Mexikanern und den deshalb chronisch eifersüchtigen Mexikanerinnen und er tut sowas natürlich nicht von wegen und Respekt aber der Mexikaner an sich ist ja sehr hübsch und deshalb glaubt er, jede haben zu können und um sich das zu beweisen.... Meine Fresse! Das mit der Schönheit lass' ich jetzt einfach mal so stehen, vielleicht sieht der Typ bei Licht ja besser aus als in der Dunkelheit.


Vor der Bank hab' ich dann nochmal gefragt, wie hoch die Strafe denn genau ist, damit entsprechend Geld abheben kann, meint er, ich soll halt mal 1000 rauslassen, er klärt das dann mit seinem "Capitan". Gut, ich hab' das Geld geholt und wir sind zur Wache gefahren. Dort sagt der Polizist: "Also klären wir das mit dem Capitan". Klar, sag' ich und steig aus, der Polizist bleibt im Auto. "Ne, ich geb' Dir Deine Papiere zurück, Du gibst mir die Tausend, und ich klär das mit dem Capitan." Ach so läuft das. "Dann bekomme ich also keine Quittung für das Geld?" Er hat nix gesagt aber sein Blick sagte in etwa "Schnallst Du das jetzt erst, du Depp?". Ich hab' ihm dann gesagt, dass ich das recht seltsam finde, dass er erst 800 wollte, jetzt sind es schon 1000, das ganze ohne Quittung und hab' ihn 500 geboten. Nö, er hat es schon dem Capitan gemeldet, entweder Tausend jetzt sofort oder AUto beschlagnahmt und morgen wieder kommen. Gut, sag' ich, dann behaltet Ihr halt das Auto, krieg' ich wenigstens da eine Quittung für? Und plötzlich waren 700 auch OK.


Ich bin noch nicht ganz sicher, ob ich mich jetzt freuen soll, dass ich 100 Peso und den Gang zur Zahlstelle gespart hab', oder ob ich mich verarscht und abgezockt fühlen soll, weil ich irgendwie nicht sicher bin, ob die Strafe nicht einfach nur 50 Peso sind und die mir die Story erzählt haben, um mir eben so viel wie möglich abzuknöpfen. Auf alle Fälle weiss ich, welcher hässliche Mexikaner sich gestern abend auf meine Kosten die Hucke vollgesoffen hat.


Wie dem auch sei, ich habe gelernt, dass man nicht in Busbahnhöfe reinfährt und hab' wieder eine Geschichte, die ich dann später mal meinen Enkeln erzählen kann.

1| Gangsta's Paradise!


Von: ']['OBY · 30.12.2004 um 22:30:32 Uhr

Tja, so kanns gehen. Aber das gibt's auch im sonnigen(?) Europa. Ich erinner mich da an ein Zertifikat des Veterinärs, welches nicht in meinen Händen(am Zollamt Kolbaskowo/Stettin/PL) sondern in unserem Speditionsbüro von Franfurt/Oder lag. Um eine Weiterfahrt zu ermöglichen, kassierte der diensthabende Animalist doch tatsächlich 100,-DM von mir{die mir die Firma anstandslos(OHNE Quittung!) erstattet hat!} - "Andernfalls," meinte er: "fahr doch nach Frankfurt!"
Das hätte aber eine Wartezeit von bestimmt 24h mit sich geführt...

Halt den Kopf hoch, ein neues Jahr, ein neuer Abschnitt!

Guten Rutsch wünscht Euch beiden:


']['OBY
aus Kiel

Mittwoch, Dezember 29, 2004

Bilder hochladen

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Irgendwie versuche ich seit einigen Tagen ein paar Bilder hochzuladen. Aber ich bekomme immer eine Fehlermeldung, irgendwas wie Error moving file. Weiss der Geier, woran das liegen mag.

Dann meld' ich mich demnächst halt mal ohne Bilder. Bis dann!

1| Bilder?


Von: ']['oby · 30.12.2004 um 22:21:08 Uhr

Wenn ich Dir dabei helfen kann, sag Bescheid!
Hab da ne HP bei Fortunecity.de, welche im Moment ein wenig brach liegt!
Da könnte ich Dir ne Seite mit Deinen Bildern hochladen, und Du kannst Sie dann verlinken.
Die Seite hat zwar beim Ankukn ein Werbebanner oben und unten, aber die Bilder dazwischen gehn gut.

Cheers,

']['OBY


2| Danke!


Von: Andreas Bohn · 02.01.2005 um 21:53:22 Uhr

Hi Tobi!

Danke für Dein Angebot, aber gerade hat's funktioniert, weiß der Geier warum. Außerdem will ich das ganze Geraffel zusammen haben und zu guter Letzt werde ich mir demnächst irgendwo dann mal eine eigene Seite mieten, auf der ich tun und lassen kann, was ich will. Das kommt dann, wenn wir auch im echten Leben umgezogen sind :-)

Mittwoch, Dezember 15, 2004

Evelyn

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Auf allgemeinen Wunsch schreib' ich jetzt mal was über Evelyn. Das sie total glücklich ist, könnt Ihr Euch sicher vorstellen, endlich ist sie wieder bei ihrer Familie, in ihrem Land und nach drei oder vier Jahren kann sie endlich mal wieder Weihnachten mit ihrer Familie feiern.

Sie arbeitet mittlerweile bei Hooters, das ist eine amerikanische Restaurantkette, die hier in Mexico zwei Filialen hat (eine hier in Mexico-Stadt, die andere in Acapulco). Das ganze ist eine Art Sport-Kneipe, da stehen riesige Fernseher rum, auf denen den ganzen Tag Fußball und andere Sportarten laufen und die Bedienungen tragen schmucke Chearleader-Uniformen. Was Evelyn ganz besonder gefällt, ist daß sie den ganzen Tag auf ihren Inlinern unterwegs ist. Ich stell' mir das recht lustig vor, wenn sie mit vollem Tablett jemanden über den Haufen fährt :-)

Natürlich wird sie hier versuchen, endlich die Schule abzuschließen, es bleibt abzuwarten, inwiefern ihr deutscher Realschulabschluß hier anerkannt wird. Und zwischenzeitlich jobbt sie eben, erstens wird ihr dann nicht langweilig und da wir demnächst eine Wohnung komplett neu einrichten müssen, kommt uns ihr Trinkgeld auch nicht ungelegen.

1| In Puerto Vallarta...


Von: Hollito · 10.10.2005 um 9:21:27 Uhr

...gibt´s auch ne Filiale. Die Promenade runter, am Hardrock Cafe vorbei und dann noch nen Stück bis zu einem Platz linkerhand, und dann auf der rechten Ecke neben dem Pizzabringdienst. Für meinen Geschmack waren da aber zuviele Gringos anwesend. ;-)

Freitag, Dezember 03, 2004

La chamba

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Chamba ist hier der Umgangssprachliche Ausdruck für Arbeit, sowas wie die Maloche. Laut Wörterbuch bedeutet es übrigens Glückstreffer.

Viel kann ich nach knapp 3 Wochen immer noch nicht sagen, ich hab' mir bisher in etwa Folgendes zusammengereimt: Es hat hier in unterschiedlichen Fachbereichen insgesamt ca 300 Programmierer, die im Moment mit VB, 4GL und was weiss ich noch allem arbeiten. Langfristig sollen alle Neuentwicklungen mittels J2EE realisiert werden. Ich soll dabei sowohl entwickeln als auch zumindest teilweise die Schulung der Leute übernehmen. In der ersten Woche wurde ich hier schonmal als Projektleiter vorgestellt, das hat sich dann aber als Missverständnis herausgestellt. Trotzdem werde ich zu den Meetings eingeladen, wenn IBM versucht, irgendwelche Werkzeuge zu verkaufen. Wahrscheinlich bin ich ein Berater. Oder der, der die Meetings organisiert, weiss noch nicht, dass ich gar nicht der Projektleiter bin. A propos Projekt: Wir (5 ENtwickler, der echte Projektleiter und ich) werden ein Projekt mittels J2EE realisieren, so eine Art Machbarkeitsstudie, um zu sehen, wie die Entwicklung funktioniert, was man für Werkzeuge braucht etc, danach stehen dann 5 weitere Projekte an, die wir evtl mit den umgeschulten VB-Leuten machen. Genauere Informationen hab' ich noch keine gekriegt, es sind immer alle furchtbar mit Planen beschäftigt.

Aber ich kann ja mal was zum Drumrum schreiben. Es gibt hier zum Beispiel einen Schuhputzer, der den ganzen Tag hier im Gebäude rumläuft und jemanden sucht, dem er die Schuhe putzen kann, was dann 12 Peso (knapp ein Euro) kostet. Cooler Service. Und (wehe es lacht jetzt einer) ich binde mir jeden morgen eine Krawatte um. Ich seh' aus wie eine Schiessbudenfigur, aber ohne die Verkleidung wird man hier einfach nicht ernst genommen. Die Mexikaner sind sowieso sehr eitel, ich finde es immer wieder lustig, wenn ich mal kurz auf die Toilette gehe, weil ich halt pinkeln muss und es steht einer vor dem Spiegel und überprüft den Sitz seiner eingegeelten Frisur. Es würde mich ja schon interessieren, was die so über meine doch sehr vom Zufall bestimmte Frisur denken.

Eine weitere lustige Eigenheit sind die zwei Zahltage pro Monat. Das stammt angeblich noch aus der Zeit, als es hier eine jähliche Inflationsrate von 80% gab (leider find' ich jetzt gerade die genauen Zahlen nicht, aber das war irgendwann in den 70er oder 80er-Jahren). Deshalb bekommt man heute sein Geld eben zum 15. und zum Monatsende überwiesen bzw den Scheck (ja, das gibt's hier immer noch) überreicht. Und an diesen Tagen ist auf den Strassen die Hölle los. Ich weiss nicht, ob das auch eine Tradition ist, oder ob die Gehälter einfach nur so knapp sind, dass die Leute in den Tagen vor dem Zahltag nicht mehr einkaufen können und deshalb am Zahltag abends die Läden stürmen.

Und die Gehaltsabrechnung hier ist auch recht erfreulich. Gerade mal 17% Abzüge insgesamt! Soviel für heute, demnächst mehr.

1| Así es México


Von: Verónica · 03.12.2004 um 6:56:14 Uhr

y he gozado mucho los recuerdos de mi país de origen.



Mittwoch, November 17, 2004

Endlich!!!!

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Gestern haben sich hier die Ereignisse überschlagen. Eigentlich wollte ich was über den Sonntag schreiben, aber das muß jetzt warten. Ich werde das bei Gelegenheit nachholen.

Wir sind mal wieder zur Migracion, irgendwie zwischen froher Erwartung und der bösen Vorahnung einer weiteren Pleite. Und siehe da, mein Visum lag bereit, ich mußte nur noch den Empfang quittieren und die Abdrücke meiner Daumen dalassen und das war's.

Also haben wir gleich wegen der CURP gefragt, die gibt's auf der Migracion nur für Studenten und ich-weiß-nicht-mehr-wen, aber halt nicht für mich. Aber sie haben mir erklärt, wo das "Registro nacional de población" ist. Wir also da hin und dummerweise sind die vor zwei Wochen umgezogen. Evelyn wurde mittlerweile die Zeit knapp, sie mußte zur Arbeit, deshalb hat sie mir erklärt, wie ich zu dieser neuen Adresse komme und mir viel Glück gewunschen. Die neue Adresse habe ich nach einer Reise quer durch die Stadt problemlos gefunden, und habe dort, oh Wunder, nach einer halben Stunde Schlange stehen tatsächlich eine CURP bekommen. Na gut, ich mußte der Dame erklären, warum ich nur einen Nachnamen habe, die Kinder hier bekommen den Nachnamen von Papa und Mama (also zwei) verpaßt. Und irgendwie fand sie daß doch sehr macho-artig, den Namen der Mutter einfach wegzulassen. Auf die Schnelle fiel mir da gar kein Gegenargument ein, irgendwie ist es schon schwierig, etwas zu erklären, was einem doch selbstverständlich erscheint. Ich hab' ihr zwar angeboten, ihr den (Mädchen-)Namen meiner Mutter zu verraten, aber sie muß die CURP mit meinem Namen, so wie er in meinem Visum steht (Hab' ich schon erwähnt, daß ich ein Visum habe?) erzeugen. Also beginnt meine CURP jetzt halt mir BOXA, statt mit BODA, aber hauptsache ist, ich hab' eine CURP! Ich find's übrigens ziemlich macho-artig, daß die CURP mit 2 Buchstaben des Namens des Vaters beginnt, dann aber nur den ersten Buchstaben aus dem Namen der Mutter benutzt. ;-)

Also bin ich total glücklich nach Hause gehüpft und dann kam der Oberhammer: Anruf beim Personalscheff. Mir fehlen zwar noch die Übersetzungen der Empfehlungsschreiben (da hat der Übersetzer mich ein bischen hängen lassen), aber sonst habe ich alle Papiere zusammen. OK, sagt er, bring was Du hast, wenn Du bis halb 6 hier bist, prüfen wir das und wenn das alles paßt, kannst Du morgen anfangen. Da brach dann doch mal kurzzeitig Panik aus. Papiere zusammensuchen, umziehen, Krawatte umbinden und nichts wie weg. Mittlerweile war es kurz nach 4 und mit der Metro dauert der Spaß mindestens eineinhalb Stunden. Also den Stadtplan eingepackt, den Monster-Dodge gestartet und gehofft, daß der Verkehr sich in Grenzen hält. Und siehe da, es war wirklich mein Glückstag, kurz nach 5 war ich da und ich hatte mich auch nur einmal kurz verfahren. Und ich mußte meine Meinung über den Personalscheff ändern, nach dem Theater mit der CURP hatte ich ihn für einen Erbsenzähler gehalten, aber gestern hat er einige Dokumente als Fax akzeptiert und auch die Übersetzungen darf ich nachreichen. Und deshalb hatte ich heute meinen ersten Arbeitstag! Es läuft zwar noch ein bischen chaotisch, weil keiner damit gerechnet hatte, daß das jetzt so schnell über die Bühne geht, aber ich darf endlich arbeiten und wir können uns auf einen längeren Aufenthalt hier einrichten. Ist das toll!!!

1| ariva


Von: Stefan Pudig · 17.11.2004 um 14:56:04 Uhr

An was für Projekten schafft man den in Mexiko ?
An Easy Burittos vielleicht?


2| Nix ist mit easy!


Von: Andreas Bohn · 21.11.2004 um 18:30:40 Uhr

Hi Stefan, alte Hütte!

Im Moment ist noch Einarbeiten angesagt, ein konkretes Projekt habe ich noch nicht, aber mein Job dreht sich wohl darum, zwei Dutzend VB-Programmierern Java beizubringen. Ich denke, ich werde im Laufe der Woche mal was Konkreteres dazu schreiben.

Melde Dich doch mal via andreas_bohn(Klammeraffe)lavache.com und erzähl, was Du jetzt so machst. Oder bist Du noch bei "easy"?

Gruß

Andreas



Donnerstag, November 11, 2004

Warum das Ganze?

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Eigentlich wollte ich nur eine kurze Antwort zu Tobis Kommentar schreiben, aber wenn ich's mir genau überlege, verdient das Thema einen eigenen Artikel.

Klar, der Ärger mit den dämlichen Behörden und die fehlende Flexibilität der Personalabteilung gehen mir tierisch auf den Keks. Außerdem ist es schon sehr frustrierend, wenn man sieht, wie der Kontostand langsam aber stetig sinkt, ohne daß man tatsächlich eine Art von Gegenleistung dafür erhält. Klar hatte ich damit gerechnet, hier 3-6 Monate einen Job zu suchen, für den Fall hatten wir die Kohle ja gespart. Aber als ich nach 4 Wochen den Job in der Tasche hatte, fingen wir schon mal an, in Gedanken eine Wohnung einzurichten. Und drei Monate später ist die Kohle halt auch futsch, ohne irgendein Stück Möbel gekauft zu haben. Und das süße Nichtstun hängt einem irgendwann auch zum Halse heraus, zumindest, wenn man in dieser Riesen-Stadt festhängt. Wenn es hier um die Ecke ein Meer oder wenigstens einen See hätte, wäre das vielleicht anders.

Bleibt also die Frage, warum tut der sich das an? Nun ja, erstens ist in Deutschland auch nicht alles so toll, wie es sein könnte. Klar, nachdem wir verheiratet waren, hat Evelyn am nächsten Tag sofort Visum und Arbeitserlaubnis bekommen. Aber erstens wollten wir (noch) nicht heiraten, sondern einfach nur zusammen leben, wie das deutsch-deutsche Paare halt auch dürfen. Und der Papierkram für die Heirat war auch nicht ohne, das Ganze ging zwar sehr zügig und stets korrekt über die Bühne, aber bis wir alle Papiere beglaubigt und übersetzt hatten, waren wir eine Stange Geld los. Zum Beispiel war der Name meiner Schwiegermutter auf zwei Dokumenten unterschiedlich angegeben. War nicht wirklich ein Problem, Evelyn hat im Beisein des Beamten eine Eidesstattliche Versicherung abgegeben, daß es sich beide Male um Ihre Mutter handelt und fertig. Aber auf dieser Eidesstattlichen Versicherung hat der Beamte als Zeuge Unterschrieben und seinen Stempel draufgeklatscht, diese Amtshandlung hat uns irgendwas um die 60 Mark an Gebühren gekostet. Dafür konnte ich zu der Zeit einen Monat lang in der Mensa essen.

Außerdem hatte ich auch in Deutschland schon mal das "Vergnügen", arbeitslos zu sein, nachdem meinen Arbeitgeber der plötzliche dotCom-Tod ereilte. Die Besuche auf dem Arbeitsamt waren auch nicht wirklich sehr erbaulich. Zwar lief auch hier immer alles korrekt ab, ich kann keinem einen echten Vorwurf machen, wie da hier der Fall ist, aber irgendwie konnte ich meinem persönlichen Berater (oder wie der sich auch immer nannte) den Unterschied zwischen einem Softwareentwickler und einem Systemadministrator nicht wirklich erklären. Es hat schließlich beides mit Computern zu tun.
Und wenn ich die bedenke, wieviele Bewerbungen ich in Deutschland geschrieben habe, bevor ich mich schließlich Selbständig gemacht habe, weil alle nur befristete Projekte anboten, aber niemanden fest anstellen wollten, da war es hier lächerlich einfach, einen Job zu finden. Von der Steuererklärung mal ganz abgesehen. Hier hat man mir beim Vorstellungsgespräch gleich gesagt, wieviel ich netto verdiene. Nix mit unterschiedlichen Steuerklassen, Pendlerpauschale oder sonstigen Verrenkungen. Das läuft hier einfach nach dem Schema "Brutto minus x Prozent" und ferig.

Und es gibt hier noch eine paar Kleinigkeiten, die mir persönlich einfach gefallen:
Das Wetter! Im Moment haben wir irgendwas um die 20 Grad, nachts sinkt das Ganze auf ca 10 Grad und die reden hier alle von einem vorzeitigen Kälteeinbruch. Ich find's angenehm!
Die Einkaufsmöglichkeiten: Es gibt hier an fast jeder Ecke noch den Tante-Emma-Laden (Unsere Tante Emma heißt übrigens Clara) und es gibt kein(!) Ladenschlußgesetz. Das bedeutet, Clara hat bis 10 offen, einige Supermärkte sogar 24 Stunden, 7 Tage die Woche. Hier kann man auch Sonntags einkaufen gehen, ohne den Tankstellen-Zuschlag zu bezahlen.
Das Land an sich ist großartig: In 5 Stunden bin ich in Acapulco, es gibt hier Wüsten, schneebedeckte Vulkane und vieles mehr.
Und nicht zuletzt ist Evelyn hier viel glücklicher als in Deutschland und streckt mir nachts nicht ihre eiskalten Füße ins Kreuz ;-)

Soviel also zum Warum. Ich hoffe, das kriegt jetzt keiner in den falschen Hals, ich wollte auf gar keinen Fall die beiden Länder, deren Bevölkerung, Sozialsysteme, Gesetze oder sonstwas miteinander vergleichen, sondern nur Tobi antworten, warum ich mir das alles antue.

Außerdem habe ich so etwas, das ich später mal meinen Enkeln an den langen, kalten und dunklen Winterabenden erzählen kann. Mist, hier hat es gar keine langen, kalten...

Mittwoch, November 10, 2004

CURP

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Der Behördenschwachsinn geht weiter. Wir haben versucht, herauszufinden, wo ich meine CURP bekomme und welche Papiere ich für den Antrag benötige. Migracion (Einwanderungsbehörde) sagt, ich muß mit dem Visum zur Gobernacion (Da bekommt der Mexikaner seine CURP), Gobernacion sagt, für Ausländer sind sie nicht zuständig, das macht Migracion oder die Krankenkasse, die Krankenkasse weiß von nichts. Lustigerweise sagen sowohl Migracion als auch Gobernacion, daß ich die CURP erst dann bekomme (und selbstverständlich immer beim jeweils anderen), wenn ich mein Visum habe, die nackte Arbeitserlaubnis taugt dazu nicht.

Und der Personalscheff besteht darauf, daß ich ohne CURP nicht anfangen kann. Meine Abteilung hat sich zwar schon mit ihm unterhalten, weil die natürlich schon interessiert sind, daß ich so früh wie möglich anfange, aber scheinbar sitzt er am längeren Hebel. Ohne CURP kein Arbeitsvertrag.

1| aha


Von: rigdenyjepo · 10.11.2004 um 17:56:42 Uhr

und ist CURP sehr ansteckend?


2| kopf hoch!


Von: Toby · 10.11.2004 um 22:42:34 Uhr

hey, bei sonem gequirlten schwachsinn hab ich null bock mehr auf ferne länder, wobei mexico sicher noch zu den zivilisierten gehört.
bin immer wieder erstaunt über deinen mut, durchzuhalten!

stell dir mal so ne scheiße in einem land wie tadschikistan vor.

also zähne zusammenbeißen und durch.
stay cool,
two fingers!

']['oby


3| Neuigkeiten ?!


Von: Jürgen Reiss · 15.11.2004 um 8:01:18 Uhr

Hallo Andreas,
ist ja eine interessante Seite - den Link dazu hat mir meine Mutter direkt aus Puebla geschickt.
> KOPF HOCH!
Du wirst schon noch die richtige Person finden & den Freifahrschein in das mex. Leben finden! : )

Könntest derweil meinen Eltern bei deren Computerproblemen helfen - gönn´dir einen schnellen
Erfolg - baut auf!!

"Die Hoffnung wird jeden Tag neu geboren.
Genau wie die Sonne jeden Tag eine neue Chance erhält."

Gruss,
Jürgen


[klick]


4| Andy ist selbst schuld!


Von: Christian · 24.11.2004 um 10:49:16 Uhr

Andy ist doch selbst Schuld! Haette er sich inzwischen richtig eingelebt, haette er sich das ganze Behoerdengerenne erspart: Er haette nur ein paar Pesoscheine beim ersten Amt wo er war dalassen brauchen und die Sache waere sofort ueber die Buehne gegangen.
Aber wie schon gesagt, der Behoerdenmarathon ist nix Mexico-spezifisches: Hat schon mal jemand versucht einen Führerschein in USA/Texas zu machen, ohne eine Sozialversicherungsnummer zu haben?