Donnerstag, Juni 08, 2006

Überrumpelt

Letzte Woche riss mich das Telefon aus einer angeregten Diskussion über die verschiedenen Möglichkeiten der Fehlerbehandlung in unserem Projekt.

Es war Cesar, ein Bekannter, total aufgeregt. Er ist gerade bei einem Freund, der ist ein ganz wichtiges Tier bei einer Behörde, deren Name mir nichts sagte und dem ist gerade der Leiter der Informatik abhanden gekommen und das wäre doch genau der Job für mich und er hat ihm von mir erzählt und jetzt will der mich natürlich kennen lernen. "Kannst Du heute abend?".

Nein, ich konnte nicht, ich hatte die komplette Woche schon verplant und überhaupt mag ich diese hektischen Anrufe überhaupt nicht und erst recht nicht von Cesar, der ist schon im Normalzustand schwer zu verstehen und wenn er aufgeregt ist nuschelt er noch mehr als sonst.

Andererseits fand ich es fies ihm knallhart zu sagen, daß ich kein Interesse habe, wo er sich doch schon so für mich eingesetzt hat, ich überlegte, wie ich da am elegantesten rauskomme, da fing Cesar an zu drängeln "Jetzt sag' halt schon, wann Du Zeit hast, Du hältst hier gerade einen Director General von der Arbeit ab", also bot ich ihm den gestrigen Abend an, um mich wieder meiner Fehlerbehandlung widmen zu können.

So ging ich vorgestern abend recht lustlos zu meinen Vorstellungsgespräch, lustlos deshalb, weil es ziemlich blödsinnig wäre kurz vor der Wahl von einer Behörde zur Anderen zu wechseln, im dümmsten Fall gilt nämlich das Prinzip "die Letzten gehen zuerst", so gesehen bin ich beim SAT in einer besseren Position, auch wenn im Moment Vorbereitungen laufen, die komplette Entwicklung auszulagern. Außerdem bin gar nicht so unzufrieden mit meinem Job hier und mitten in einem Projekt davonzulaufen halte ich für sehr schlechten Stil.

So kam es mir gar nicht mal ungelegen, daß der so sehr interessierte Director General gar nicht da war. Seine Sekretärin fand keinerlei Notiz über unseren Termin in seinem Terminkalender und konnte ihn leider auch nicht auf seinem Mobiltelefon erreichen. Also habe ich meinen Lebenslauf dagelassen, sie versicherte mir, der Herr Director werde sich am nächsten Tag bei mir melden, was er allerdings nicht tat.

Vielleicht war ich ja nicht der einzige, der von Cesar überrumpelt wurde.

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