Freitag, August 17, 2007

1000 gute Gründe: Die Rente

Die Rente ist sicher! Wer kennt ihn nicht, den Lieblingsspruch des putzigen Herrn Blüm. Wir werden wahrscheinlich nie erfahren, ob er das tatsächlich glaubte oder ob er mit diesem Spruch einfach nur die Bevölkerung beruhigen wollte, um sich die Arbeit unliebsamer Reformen zu sparen. Nun, mittlerweile wissen wir, daß die Rente alles andere als sicher ist, daß meine Generation erhebliche Einschnitte hinnehmen werden muß.

Folgende Grafik stammt aus einem Dokument des Instituts für Wachstumsstudien: Wenn deren Prognosen zutreffen, werden wir bis dahin ständig steigende Beiträge bezahlen, länger arbeiten und dafür eine geringere Renten beziehen. Na, das nenne ich doch mal ein faires Geschäft.



Klar, ich verstehe diejenigen, die jetzt ihre Rente beziehen oder kurz davor stehen, und natürlich kein Interesse daran haben, das System kurzfristig zu ändern, sie können selbst wenig machen, um selbst Kapital anzusparen ist es zu spät und immerhin haben sie ihr Leben lang in das System einbezahlt und dem Herrn Blüm vertraut (und selbst wenn nicht hatten sie wenig Chancen, aus dem System auszusteigen).

Trotzdem macht sich bei mir einiger Frust breit, wenn ich die Politiker höre, die mich warnen, mich keinesfalls auf die gesetzliche Rente zu verlassen, sondern selbst zu sparen. Um im gleichen Atemzug laut darüber nachzudenken, ob man Lebensversicherungen nicht höher besteuern sollte. Irgendwann ist einfach mal Schluß, es macht keinen Spaß mehr, wenn auf dem Lohnzettel die Höhe der Abzüge nur unwesentlich geringer ist, als das, was man letztendlich ausbezahlt bekommt. Wovon soll man sich da die Altersvorsorge ansparen?

Kommentare:

  1. Naja, das Rentensystem funktioniert doch nur, wenn die Betroffenen, die später einmal Rente haben wollen, den vielgepriesenen "Generationen-Vertrag" einhalten. Zur Erhaltung der Steuerzahler-Anzahl ist eine Anzahl von durchschnittlich 2,1 Kindern pro Frau (die dazu einen Mann braucht) notwendig. Diese "Quote" haben doch die Mehrzahl der Eltern der heutigen Generation gar nicht eingehalten, so dass die Mindest-Steuerzahler-Anzahl nicht gewährleistet ist.

    Zweitens: in den letzten Jahrzehnten ist die Lebenserwartung enorm gestiegen, so dass die Rentenbezieher, die volkswirtschaftlich gesehen nach max. 5 Jahren kein Geld mehr "verbrauchen" (also tot sein) sollten, mittlerweile locker weitere 10 bis 15 Jahre Geld "kosten" (auch wenn sie möglicherweise ihr Leben lang in die Rentenkasse eingezahlt haben).

    Drittens: all' die neuen Vergünstigungen für Familien; sei es erhöhtes Kindergeld (für mich als Erstgeborenen gab's mein ganzes Kinderleben lang nur DM 50,-; heute kriegt man, glaube ich, mehr als €300,- pro Kind (korrigiert mich, wenn ich da falsch liege)), einen Rentenanspruch für Kinder-erziehende Frauen (die ja -wieder volkswirtschaftlich betrachtet- keinen Pfennig in die Rentenkasse eingezahlt haben) und Pflegekosten (macht Euch da nichts vor) -sicherlich gibt's da noch mehr- müssen ja irgendwoher bezahlt werden und gehen zu Lasten des bar-ausbezahlten Rentengeldes.

    Das ist eine lange Geschichte, dessen Schäden man so einfach nicht kitten kann; Schuld hat da die Generation unserer Eltern (und wir, die wir nicht genügend Kinder haben), die nur bis zum Ende ihrer Nasenspitze gedacht haben, anstatt für die nach ihnen kommende Zukunft zu planen.
    Man könnte auch der Anti-Baby-Pille und dem Gleichberechtigungs-Bestreben der Frauen die Schuld geben (die keine "Gebärmaschinen" mehr sein woll(t)en), aber das wäre zu einfach.

    Fazit: wer sich nicht selbst ein Polster anlegt für sein Alter, der wird nichts haben und sprichwörtlich am Hungertuch nagen.

    Über Jahrtausende hinweg waren es die wirtschaftlich Aktiven (sprich: die arbeitsfähige Bevölkerung), die sowohl die jüngere Generation (ihre Kinder) als auch die ältere Generation (die Alten) durchbrachten. Das Sozialversicherungs-System änderte das in dem Sinne, dass Familien, deren Ernährer ausfiel (Krankheit oder Tod) nicht vor die Hunde gingen. Leider hat sich das System in sofern gewandelt, dass v.a. in Deutschland keiner mehr was mit den Alten zu tun haben will (die schickt man ins Altersheim, weil lästig) und keiner mehr Kinder haben will (weil angeblich "zu teuer"). Die Quittung kommt in ein paar Jahren (siehe Deine Grafik oben).

    Nichts ist umsonst; das wissen alle.
    Warum beklagt man sich also so heftig?

    P.S. Meine Eltern nehme ich von jeder Schuld aus: 4 Kinder dürften genügen. Mein Vater mußte sich sogar mal anhören, wir seien eine asoziale Familie mit so vielen Kindern.

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  2. Na, da lobe ich mir doch meinen 401k Plan. Dort spare ich fuer meine eigene Rente, kassiere angenehme Rendite (5% im letzten Quartal - yay!) und kriege vom Arbeitgeber sogar noch einen Bonus von 4% meines Gehalts obendrauf.

    Wenn alles glatt laeuft (toi-toi-toi) sollten dort, wenn ich mit 59 an das Geld darf, rund US$ 2 Mio. auf uns warten. Das wird zu dem Zeitpunkt vermutlich kein Vermoegen mehr sein, aber vielleicht ja immer noch genug, sich in Mexico ne huebsche Quinta zu kaufen.

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  3. Warum beklagt man sich also so heftig?

    Weil eben der Generationenvertrag nicht mehr funktioniert, weil das mit simpler Mathematik seit 1975 vorherzusehen war, und weil trotzdem niemand in verantwortlicher Position den Mumm hatte, mal den Mund aufzumachen (siehe Herr Blüm)...

    Deshalb! ... Und genau deshalb fuehle ich mich auch nicht schlecht oder unsozial, wenn ich jetzt - als gelackmeiertes Element in der Bevoelkerungspyramide - mit allen Mitteln versuche, mich dem System zu entwinden, dessen Reformierung andere schon verpennt haben als ich noch im Kindergarten war.

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  4. Ich bin so frei, eine Kontroverse anzuzetteln ;-) und habe meine Antwort auf Sven's Kommentar in einen unabhängigen Blog-Eintrag umgewandelt.

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