Dienstag, Oktober 12, 2010

Falsch geparkt

Heute morgen hatte ich einen Termin bei einem Kunden, den ich noch nicht kannte. Eigentlich kein Problem, ich hatte die Adresse, war ziemlich früh dran und kurz bevor ich zu besagter Adresse kam, sah ich ein Parkhaus. Nun ist es so, dass wir bei manchen Kunden parken können, bei anderen nicht. Und da ich mich im Gewirr der Einbahnstrassen im Zentrum leicht verfahre, fuhr ich erst mal rechts ran, um abzuklären, ob ich beim Kunden parken kann, oder besser gleich in dieses Parkhaus fahre. Ich zog meinen Laptop aus dem Rucksack, suchte die Nummer des Projektleiters raus, rief ihn an und fragte. Nein, beim Kunden hat es keine Parkplätze, Parkhaus ist angesagt.

Und wie ich das Telefon wieder wegstecken will, hält neben mir ein seltsam eckiger Kleinbus, ein Typ und eine Frau springen raus, während sie (in Uniform) zur Parkuhr läuft, kniet er (in Zivil) sich an meinem Vorderrad zu schaffen. Ich reisse die Tür auf und frage ihn, was er da macht. "Er befolgt meine Befehle" bellt mich die Uniformierte an. Er soll jetzt mal langsam machen, sage ich ihm, schliesslich sei ich doch hier im Auto, was das ganze denn soll. Der Stumme wurstelt weiter, ohne mich zu beachten, auch die Befehlshabende ignoriert mich komplett, sie schreibt irgendwas auf einen Block. Mir schwant böses. Ich versuche es nochmal, richte mich direkt an den Drachen und frage sie, was das Ganze soll, ich bin doch hier noch im Auto, ich parke hier doch gar nicht. "Doch" sagt sie, sehr kurz angebunden, ohne ihr Geschreibe auch nur für den Bruchteil einer Sekunde zu unterbrechen, "wenn sie im Auto sitzen und der Motor nicht läuft, parken Sie". Selber schuld, wer den Planeten retten will, muss eben Opfer bringen. Sie drückt mir mit einer Mischung aus Triumpf und Verachtung im Gesicht einen Strafzettel in die Hand, nuschelt eine Adresse und verschwindet.

Nun ja, in einem zivilisierten Land Land mit funktionierender Verwaltung wäre die Geschichte nicht weiter erzählenswert, Profilneurotiker in Uniform gibt es wohl überall und nächstes mal werd' ich eben erst 5 Peso in die Parkuhr stecken, bevor ich den Motor abstelle. Das Problem ist, dass es hier wohl unmöglich ist, die Bezahlung von Strafzetteln durchzusetzen. Also benutzt man dieses mittelalterliche Instrument:



Das heisst, man kann nicht innerhalb einer bestimmten Frist einfach den Betrag überweisen und gut ist, nein, man muss zu einem Verwaltungsgebäude (das war die genuschelte Adresse), um dort die 460 Peso in Bar (hatte ich schon erwähnt, wie rückständig das ganze System ist?) abzudrücken. Und darf dann bei seinem Auto warten, bis jemand kommt, der das Teil abmacht.

Der Kunde nahm meine Verspätung mit Humor, er sagte mir, ihn hätten sie vor zwei Wochen erwischt, er hatte nur kurz gehalten und auf einen Kollegen gewartet. Er vermutet, dass die Parkraumwächter eine Provision bekommen, sie würden immer überfallartig auftreten und entgegen der hiesigen Gepflogenheiten nicht auf Bestechungsangebote eingehen.

Kommentare:

  1. kann man das nicht mit ner flex an bord lösen?

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  2. Ja, ja im "Centro hisotico" sind die Spinnen eine echte Plage. Das gute daran ist, dass man meistens nur einmal ihr Opfer wird. Und das abmontieren (nach vollzogenem Verwaltungsakt, sprich Strafe latzen) geht auch recht flott!

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  3. Der Gedanke einer Werkzeug-basierten Lösung kam mir auch, zumal das Stahlseil zwar sehr dick ist, aber nur mit einem geradezu lächerlich dünnen Vorhängeschloss gesichert wird. Da würde ein ordentlicher Bolzenschneider auch reichen.

    Aber, wie Peter sagt, das passiert mir so schnell nicht wieder, nächstes mal fahre ich gleich ins Parkhaus.

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  4. Ich bin mir nicht sicher, ob es ratsam ist, selbst Hand anzulegen, um die Kralle los zu werden; schliesslich haben die polis sowohl Krallen-Nummer als auch Fahrzeug-Daten, und bestimmt wird das Auto, wenn es irgendwann später mal (vielleicht ganz woanders) gefunden wird, gleich mitgenommen (= abgeschleppt) und das Auslösen zur bereits vorhandenen Rechnung addiert. Wäre ich ein gelegentlicher DF-Besucher, würde ich das vielleicht riskieren, aber als jemand, der zu allen möglichen Kunden in der Stadt fährt, würde ich mir das überlegen.

    Sowieso: an sich finde ich, dass in der historischen Altstadt Autos überhaupt nichts zu suchen haben, aber auch das gehört in Länder mit anderem (höherem?) Zivilisationsgrad. ;-)

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  5. Neues Auto, neue Abenteuer ;-)
    Kriegst du von deinem Arbeitgeber nicht auf von vornerein Taxi bezahlt? Dann ist die laestige Suche nach einem Parkplatz (ob beim Kunden oder öffentlich), vor allem aber im Centro Historico, auch gar kein Thema mehr!

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  6. Nö, wir kriegen Kilometergeld, Taxi nur auf Geschäftsreise. Wobei wir auch kmGeld anmelden können, wenn wir Taxi fahren. Aber wenn man schonmal ein neues Auto hat, will man es ja auch bewegen :-)

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