Donnerstag, Februar 12, 2009

Viktor(III)

Mitte Januar wurde Viktor vom Untersuchungsgefängnis in den richtigen Knast verlegt und kam somit vom Regen in die Traufe. Seine Mutter erzählte mir, er wohnt dort mit etwa 30 anderen Häftlingen in einem Raum, wird von den Wärtern drangsaliert und von den Mithäftlingen verhauen. Sie steckt ihm jede Woche Geld zu, damit er sich wenistens vom Schlimmsten (was immer das auch sein mag, ich hab' nicht nachgefragt) freikaufen kann.

Die rechtliche Situation ist nach wie vor sehr verworren, bisher wird Viktor von zwei Anwälten vertreten, die seine Freundin ausgesucht hat. Die haben bisher aber nicht viel (eigentlich gar nichts) erreicht und schieben die Schuld dafür auf das System, das dauere halt alles sehr lange.

Jetzt hat die Mutter per Zufall einen Anwalt kennengelernt, der ihr vertrauenswürdig erscheint. Er hat sich die Geschichte angehört, die Mutter gebeten, ihr die Akten des Falles zu besorgen (600 Seiten stark) und ihr anschliessend seine Sicht des Falls erklärt. Das Ganze übrigens komplett ohne Gegenleistung.

Jetzt hat sie das Problem, dass der neue Anwalt ihr den Verdacht, dass nämlich die bisherigen Anwälte eine denkbar schlechte Leistung abgeliefert (und eine excellente in Rechnung gestellt) haben, bestätigt hat. Und steht vor dem Dilemma, dass sie eigentlich gerne den bisherigen Anwalt zum Teufel jagen würde, andererseits aber nicht während dem Rennen das Pferd wechseln will, Morgen ist eine Anhörung (Verhandlung?), die entscheidenden Einfluss auf die Hauptverhandlung haben soll. Abgesehen davon hätte sie im Moment auch kein Geld mehr, den neuen Anwalt zu bezahlen, obwohl der meinte, da sollte sie sich keine Sorgen drum machen.

Wie gesagt, alles sehr verworren, die psychische Belastung ist der Mutter anzusehen, die Finanzielle geht weit über ihre Leistungsfähigkeit, die ganze Familie legt mittlerweile zusammen. Nur mal so als Beispiel: Die Kopie der Akten kostete 900 Peso plus 100 Schmiergeld, damit es nur Tage, nicht Wochen dauerte. Und sie steckt Viktor jede Woche etwa 500 Peso zu, das entspricht dem Doppelten des gesetzlichen Mindestlohns.

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