Donnerstag, April 15, 2010

Auswanderer-Konto

Die DKB (bzw eine von ihr beauftragte Werbeagentur) hat mich kontaktiert, ob ich auf meinem Blog nicht Werbung für ihr neues Produkt machen möchte: ein kostenloses Girokonto für Deutsche im Ausland. Ich weiss gar nicht, was mich mehr erstaunt, die Tatsache, dass mein kleines Blog als Werbeplattform taugen soll, oder dass es mittlerweile so viele Auswanderer gibt, dass schon spezielle Produkte für sie angeboten werden.

Nein, Werbung im Sinne von bezahlter Lobhudelei gibt es hier nicht. Hier gibt es Interessantes und Belangloses aus unserem Leben und ab und an ein paar Tips für andere Auswanderer. Und da könnte dieses Konto vielleicht interessant werden, ich bekomme hier immer mal wieder Anfragen zum Thema Geld.

Seltsamerweise ist in der Mail von einem kostenlosen Girokonto für Deutsche im Ausland die Rede, auf der Seite der DKB wird das Ding einfach als Girokonto angeboten. Und laut Mail ist einer der Vorteile, dass das Konto in fast allen Ländern der Welt eröffnet werden kann. Eigentlich eine tolle Idee, aber ich vermute doch mal, dass man sich in Deutschland identifizieren muss, bevor man ein Girokonto eröffnen darf. Auf der Seite finde ich leider keine Informationen dazu, wie das gehen soll.

Falls jemand das Konto ausprobieren möchte, hier ist der Link dazu. Erfahrungsberichte bitte in die Kommentare!

Mittwoch, April 14, 2010

Telefonregistrierung

Wie hier schonmal berichtet, mussten bis zum vergangenen Samstag alle mexikanischen Mobiltelefone mit den Daten des Besitzers in einer grossen Datenbank registriert werden. Natürlich haben viele Leute mit der Registrierung bis auf den letzten Drücker gewartet, woraufhin an den letzten Tagen das System, wie erwartet, zusammenbrach.

Auch ich habe bis zum vorletzten Tag gewartet, in der Hoffnung, dass sich die Herren, die sich den Schmarrn ausgedacht haben, es sich vielleicht doch nochmal anders überlegen. Haben sie nicht. Und hier muss ich dann doch mal ein Lob an Movistar loswerden. Das RENAUT-System war am Freitag nicht mehr zu erreichen, weder per SMS noch per Internet. Also bot Movistar seinen Kunden an, sich auf der Movistar-Seite zu registrieren und versprach, die Nummer nicht abzuschalten, wenn man sich bei Movistar registriert hat. Wahrscheinlich werden die RENAUT die Daten dann später übergeben, wenn die ihr Desaster wieder am Laufen haben. Zumindest kann ich immer noch telefonieren. Im Gegensatz zu Schwiegermuttern, die am Samstag vergeblich versuchte, ihr TelCel-Telefon zu registrieren. Das ist seit heute tot.

Den Vogel abgeschossen hat Telcel allerdings bei einem Kollegen. Der hat einen USB-Stick, mit dem er über das Mobilfunk-Netz ins Internet kann. Oder besser konnte. Er hat das Ding seit drei Monaten und ging davon aus, dass neue Geräte automatisch registriert werden. Werden sie nicht. Hat ihn auch nur eine Stunde gekostet, das herauszufinden und das Teil zu registrieren. Ist gar nicht so einfach, von einem Gerät ohne Tastatur und Display eine SMS zu versenden. Immerhin hat man ihm zugesichert, dass er in spätestens 48h wieder am Netz ist.

Dienstag, April 13, 2010

Definitionen

Am Wochenende waren wir Essen, die Spezialität des Hauses war Hase. Frage an Citlali, ob sie einen Hasen essen möchte. "Nein" sagt sie empört, "ich esse doch keine Tiere." "Ach so, aber Du isst doch Hühnchen, was ist das denn?" "Das ist Essen!"

Samstag, April 10, 2010

Lebenszeichen

Der letzte Eintrag hier ist ja schon gut zwei Wochen alt, Zeit, mich mal wieder zu melden. Es ist nicht so, dass hier gar nichts los wäre, ganz im Gegenteil, nur gab eben nichts davon einen eigenen Eintrag her.

Im Büro gab es ein paar Änderungen organisatorischer Art, ich habe einen neuen Scheff und zwei Kollegen haben in andere Abteilungen gewechselt, was für mich interessante Perspektiven ergibt. Und auch privat zeichnen sich ein paar Veränderungen ab, über die wir aber zu gegebener Zeit berichten werden.

Bleibt mir noch, auf formspring zu verweisen, da habe ich die Frage beantwortet, ob ich auf einen 48h Stromausfall vorbereitet bin (Ja, ich werd mir, sobald der Strom für länger als eine Stunde ausfällt, einen Generator kaufen). Und eine Bitte an Alberto, der versucht hat, mit mir Kontakt aufzunehmen: Wie kann ich Dich erreichen?

Freitag, März 26, 2010

Frage-Antwort (I)

Eine Frage, die mir über Formspring gestellt wurde und die, wie ich glaube, recht gut hier reinpasst:

Glaubst Du Mexiko ist ein guter Ort um Kinder aufzuziehen? Wie erklärst Du ihr die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit? Die Gewaltätigkeit? Die Gesetzlosigkeit?

Ich darf die Frage kurz aufteilen:

Glaubst Du Mexiko ist ein guter Ort um Kinder aufzuziehen?

Eine Frage, die mir auch ab und zu durch den Kopf geht. Da stellt sich natürlich erstmal die Frage, was einen guten Ort ausmacht. Zunächst natürlich einmal, dass das Kind glücklich ist.

Ich selbst bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen und war da sehr glücklich, weshalb ich meine Tochter eigentlich viel lieber auch auf dem Land gross werden sehen würde (aufziehen klingt so danach, als müsste man irgendetwas tun, damit sie gross werden, aber nach meiner bisherigen Erfahrung wird sie das von alleine, und das schneller, als mir lieb ist). Meine Frau ist hier im Moloch aufgewachsen und behauptet von sich auch, dass sie eine glückliche Kindheit hatte. Von daher scheint das mit der glücklichen Kindheit wohl weniger von den Randbedingungen abhängig zu sein, viel wichtiger scheint mir da das familiäre Umfeld und das können wir unserem Kind hier genausogut bieten, wie in Europa oder den USA.

Als nächsten Punkt sehe ich die Möglichkeiten, das Kind auf das spätere Leben vorzubereiten. Auch da sehe ich (zumindest in meiner Situation) keinen Nachteil darin, hier in Mexico zu leben, Citlali wächst zweisprachig auf und wir können uns den Luxus einer Privatschule leisten, sie wird also später selbst entscheiden können, ob sie hier in Mexico bleibt oder zum Beispiel in Europa leben will. Würde sie in Deutschland aufwachsen, hätte sie wohl kaum bessere Aussichten.

Der dritte Punkt ist die Sicherheit. Das Leben hier in Mexico ist gefährlicher, man muss besser auf sich aufpassen, aber man hat auch mehr Freiheiten. In Deutschland wird jegliches Risiko vom Staat abgefangen, entweder, indem er alles, was ein bischen gefährlich sein könnte, verbietet oder eben durch eine der tausend Sozialkassen absichert. Mir war das auf die Dauer zu teuer, immer nur in diese Kassen einzuzahlen, ich kann hier auswählen, welche Risiken ich absichern will und welche nicht. Bleibt das Risiko der Kriminalität, gerade Entführungen und die Narcos sind ein Thema, welches man sicher nicht ignorieren darf. Wenn die zu gefährlich werden, könnte das für uns ein Grund sein, den Standort zu wechseln.

Wie erklärst Du ihr die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit? Die Gewaltätigkeit? Die Gesetzlosigkeit?

Wessen Anspruch an was?

Gewalttätigkeit und Gesetzlosigkeit gibt es, wenn auch in anderer Form, auch in Europa. Wie erkläre ich einem Kind, weshalb jemand in der U-Bahn aus nichtigem Anlass totgeschlagen wird? Oder dass das Ehrenwort eines Politikers mehr wiegt, als das Gesetz? Früher oder später wird man mit solchen Dingen konfrontiert werden, das gehört leider auch dazu.

Dienstag, März 23, 2010

Una empresa de clase mundial

Vor ein paar Monaten hat der hiesige Präsident (oder wer auch immer) den staatlichen Stromversorger hier in der Stadt zugemacht, weil die zu jedem Peso, den sie einnahmen, einen aus der Staatskasse brauchten, um nicht bankrott zu gehen (Wieso finde ich dazu nix in meinem Archiv, ich dachte, ich hätte das mal erwähnt). Wäre vielleicht schlau gewesen, vorher für gleichwertigen Ersatz zu sorgen. Oder man hätte auch einfach den Strompreis anpassen können, aber ich will mich da ja auch gar nicht einmischen. Seither ziert unsere Stromrechnung eben nicht mehr das Logo der LyF, sondern das der CFE.

Stromausfälle waren hier schon vor dem Wechsel nichts wirklich Seltenes, allerdings dauern (oder besser dauerten) sie meist nur wenige Minuten, selten mal länger als eine Stunde. Ich hatte schon mal davon gehört, dass es seit dem Wechsel in einigen Vierteln tagelang keinen Strom gab und dachte auch kurz mal darüber nach, uns einen eigenen Generator zu kaufen. Allerdings war das Stromnetz hier oben bis auf kurze Aussetzer immer recht stabil und alle wichtigen Geräte im Haus haben entweder einen eigenen Akku (Laptop) oder (Internet und Telefon) hängen an einer Batterie, die bis zu zwei Stunden überbrückt, da schien mir das mit dem Generator doch etwas übertrieben.

Gestern abend, kurz nach halb neun fiel dann hier der Strom aus. Erstmal bei CFE angerufen, ja, wurde schon gemeldet, man gab uns die Nummer, unter der die Störung bearbeitet wird, falls wir später nochmal anrufen wollen. Wir machten es uns erstmal romantisch und verbrachten den Abend mit einer Märchenstunde bei Kerzenschein. Citlali fand's toll. Gute zwei Stunden später gingen wir dann ins Bett, immer noch bei Kerzenschein. Vorher nochmal kurz bei CFE angerufen, ja, man arbeitet dran.

So gegen zwei Uhr morgens bin ich dann mal kurz aufgewacht. Und siehe da, beim Nachbarn brannte Licht. Klasse. Bei uns nicht. Kurz nachgeschaut, ja, alle die Nachbarn, von deren Häusern Kabel zu den Strassenlampen gehen (also die, die nichts für ihren Strom zahlen), hatten mittlerweile wieder Licht. Die Doofen, die ihren Strom zahlen, sassen (oder lagen) weiterhin im Dunkeln. Nochmal bei der CFE angerufen, ja, man sucht nach dem Fehler.

Morgens erstmal ohne Microwelle und ohne Kaffeemaschine Frühstück gemacht und CFE angerufen. Man arbeitet dran. Wo die denn sind, ich sehe in der ganzen Strasse niemanden. Na, dass kann sie mir jetzt auch nicht sagen. Auch ganz toll bei den Anrufen ist ja, dass man erstmal nach dem Namen gefragt wird. Man soll sich als Kunde ja persönlich angesprochen und ernst genommen fühlen. Ich sage also meinen Namen und höre jedesmal schlimmere Verhunzungen. Andrea Huhn? Andres Woh?

Heute, gegen ein Uhr Nachmittags tauchten dann tatsächlich zwei Gestalten auf, werkelten eine halbe Stunde lang an einem der Trafos herum und versorgten uns wieder mit Strom. Nach ganzen siebzehneinhalb Stunden! Das machen die ganz toll, die Jungs von CFE. Nennen sich ja nicht umsonst Empresa de clase mundial (Unternehmen von Weltklasse). In welcher Welt wohl deren Werbetexter leben?

Ich geh' derweil mal den Kühlschrank leerräumen. Und die Tiefkühltruhe. Und den Nachbarn fragen, ob er mir nicht auch so ein Kabel an die Strassenlaterne basteln kann.

Donnerstag, März 18, 2010

Meer

Das vergangene Wochenende war ein Langes und so taten wir, was wir eigentlich immer an langen Wochenenden tun. Koffer packen und ab ans Meer. Da wir den letzten Reinfall noch gut in Erinnerung hatten, erkundigten wir uns vorher nach dem Wetter und wurden auch prompt vor einem Norte am Golf gewarnt. Also fuhren wir an den Pazifik, Playa Ventura war unser Ziel.

Die Fahrt war problemlos, nach gut 6 Stunden kamen wir gegen 10 zum Frühstück an den Strand. Wir kennen dort ein nettes Hotel mit sehr guter Küche, bei denen wir immer zelten. Schon bei der Ankunft fiel uns auf, dass im Dorf etwas mehr los war als sonst, vor Kurzem wurde Playa Ventura mal im Fernsehen erwähnt, das hatte wohl seine Wirkung. Allerdings ist der Ort noch weit davon entfernt, überlaufen zu sein, der Strand ist sehr lang, da tritt man sich nicht so schnell gegenseitig auf die Füsse.

Wir bauten also unser Zelt auf, liefen ein bischen am Strand spazieren und relaxten in der Hängematte. Bis gegen vier zwei Reisbusse an unserem Hotel ankamen. Plötzlich standen da nicht mehr nur drei Zelte, sondern über 20! Da versuchen wir 500km zwischen uns und die Hauptstädter zu bringen und dann fahren die uns hinterher. Das Thema Ruhe hatte sich erstmal erledigt. Nach kurzer Schockstarre disponierten wir um, bauten das Zelt ab und nahmen uns ein Zimmer im Hotel. Wir zelten gerne, das Problem bei solchen Ansammlungen ist aber, dass einige der Nachbarn bis spät in die Nacht in gemütlicher Runde vor dem Zelt sitzen und wiederum andere sehr früh aufstehen. Und da unser Zelt nur unzureichend schallgedämmt ist, bekomme ich dann meist nur wenig Schlaf in den paar Stunden dazwischen ab. Das ist in einem Hotelzimmer dann doch besser.

Abgesehen von diesem kleinen Umzug war es mal wieder ein geniales Wochenende. Wir badeten im Meer und in der warmen Lagune bei Marquelia, futterten leckeres Meeresgetier und liessen es uns einfach gut gehen. Und auch auf dem Rückweg blieb uns das Glück hold, nichtmal an den Zahlstellen gab es Staus, nach nur fünfeinhalb Stunden waren wir zu Hause.