Freitag, Dezember 07, 2007

Aus der Mottenkiste: Politik

Gestern abend lief hier im Fernsehen mal wieder Good Bye, Lenin!. Netterweise auf deutsch, mit spanischen Untertiteln. Abgesehen davon, daß ich den Film sehr gut finde, erinnert er mich immer wieder an meinen Versuch, mich in die Politik einzumischen.

Es war irgendwann zwischen der Maueröffnung und der Wiedervereinigung, also gegen Ende 1989, ich war gerade mal 18, voller Tatendrang und hatte an dem Abend sowieso nix beseres vor fest entschlossen, die Welt zu verbessern. Der Ortsverband einer Partei hatte zu einem Gesprächsabend geladen, es ging um die bevorstehende Wiedervereinigung.

Die Frage war, wie Selbige zu gestalten sei. Es herrschte Konsens darüber, daß der real existierende Sozialismus nicht wirklich das non plus ultra war und sicher nicht für ein vereintes Deutschland in Frage kam, dennoch stellte sich die Frage, ob man die DDR einfach als neue Bundesländer der Bundesrepublik zuschlagen sollte, oder ob es dazu Alternativen gab.

Irgendwie kam das Gespräch dann auf die Kinderkrippen, die in der DDR wohl flächendeckend zur Verfügung standen, während es im Westen für Kinder unter drei Jahren kaum Betreuungsmöglichkeiten gab. Ich fand es erstrebenswert, einer Mutter die Möglichkeit zu geben, nicht erst nach drei Jahren wieder zu arbeiten und war deshalb der Meinung, man sollte sich das System zumindest mal anschauen, vielleicht könnte der Westen da etwas lernen. Und stieß prompt auf Widerspruch. Die Kinderkrippen wurden nämlich vom DDR-Regime nur eingerichtet, um die Kinder so früh wie möglich unter Kontrolle zu haben und sie mit der SED-Ideologie infiltrieren zu können. Deshalb müssen die dem Erdboden gleichgemacht werden.

Ich versuchte zu erklären, daß ich keinesfalls mit dem DDR-Regime sympatisierte und man selbstverständlich jegliche Ideologie aus den Kinderkrippen herausnehmen müsste, aber an sich wäre eine Kinderbetreuung vor dem Kindergarten doch erstrebenswert. Ja, schallte es mir entgegen, aber nicht in den Kinderkrippen der SED, die müssen plattgemacht werden. In meiner Naivität versuchte es noch ein paar mal, mein Gegenüber ging allerdings gar nicht auf meine Argumente ein, sondern wiederholte gebetsmühlenartig, daß man die Kinderkrippen der SED keinesfalls bestehen lassen könnte. Komischerweise beteiligte sich niemand an der Diskussion und auch der Moderator war stark daran interessiert, das Thema zu wechseln.

Erst später ging mir dann auch auf, weshalb. Mein Diskussionspartner (wenn man das stupide Wiederholen eines unsinnigen Arguments denn als Diskussion bezeichnen kann) war eine engagierte Person in der Gemeinde. Aktiv in mehreren Vereinen und caritativen Einrichtungen, wenn ich mich richtig erinnere auch im Gemeinderat und dehalb respektiert. Ich hatte den Eindruck, so jemand braucht keine Argumente, weil sich niemand mit ihm anlegt, weil man in der Politik nicht einfach nur gute Argumente braucht, mit denen man andere überzeugt, sondern im Zweifel mit Seilschaften einem Netzwerk von Freunden und Gleichgesinnten die besseren Karten hat.

Schade eigentlich.

Kommentare:

  1. CDU, stimmt's?

    In meinem Kreis (VIE) hieß es damals: "Die von der CDU können einen Besenstiel als Kandidat aufstellen; der wird auch gewählt."

    AntwortenLöschen
  2. Der Veranstalter war, wenn ich mich richtig erinnere, tatsächlich die CDU. Ob mein Diskussionspartner auch aus dem Verein war, kann ich mich aber nicht mehr erinnern.

    AntwortenLöschen
  3. In dieser Hinsicht dürften sich sämtliche Parteien ziemlich ähnlich sein... ;-)

    AntwortenLöschen