Donnerstag, Juli 19, 2012

Ausgesperrt

Gestern morgen kam ich zu unserem Kunden, dem infonavit. Irgendetwas war anders als sonst, es standen da 'ne Menge Leute rum, palaverten miteinander und irgendwie standen die selten dämlich vor den Eingangstüren rum. Ich wollte gerade fragen, ob sie mich da bitte mal durchlassen können, da merkte ich, dass sie ziemlich grosse Transparente direkt über die Türen gehängt hatten. Sehr verwirrend, vor allem wenn man noch nicht richtig wach ist.

Bei näherer Betrachtung stellte sich das Ganze als eine Demonstration dar. Die Alianza Nacional de Deudores de la Banca (Nationale Vereinigung von Bankschuldnern) wollte mit dem Scheff des infonavit über irgendetwas sprechen und da das mit der Terminvereinbarung nicht so ganz geklappt hat, haben sie einfach das Institut als solches abgesperrt und verkündeten, dass sie erst gehen würden, wenn der Scheff mit ihnen redet. Coole Sache.

Ich verzog mich also erstmal zum Frühstück in ein nahegelegenes Restaurant, zum Glück konnte ich ohne direkte Verbindung zu den Servern arbeiten. Gegen ein Uhr kam dann die Mail, das Instutit wäre wieder offen.

Was mich an der Sache wundert (oder auch nicht), ist die Tatsache, dass die Polizei zwar vor Ort war, aber keinerlei Anstalten machte, die Eingangstüren frei zu bekommen. Immerhin arbeiten knapp 2000 Leute in dem Gebäude, die dadurch einen halben Arbeitstag verloren haben.

Kommentare:

  1. Dass die Polizei nix tut, heisst heutzutage "De-Eskalation", was soviel heisst, dass man die Leute einfach machen lässt, die Polizei daneben steht und guckt, dass da keiner stolpert (sonst kommen gleich wieder Fotos in Facebook und Tageszeiten, die zeigen, wie brutal die Behörden doch sind).

    Was die Angestellten angeht, sieht die Sache doch so aus: ob die nun einen halben Tag vor oder im Gebäude sind, ist vom (Arbeits-) Ergebnis doch egal; das sind Bürokraten, die dort sowieso nur die Zeit bis zum Feierabend totschlagen.

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  2. Da fehlt ein tag: [/sarkasmus]

    Weiss der Kuckuck; HTML-tags werden wohl interpretiert...

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    1. Wenn ich Andreas aber richtig verstanden habe, sieht der das ein wenig anders als du (Roland)...

      Und schliesslich auch: was soll denn die Polizei machen? Alle einsperren?

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    2. Die Polizei könnte den Zugang zum Gebäude gewährleisten. Indem sie z.B. klar ansagt, dass eine Tür freibleibt und jeder, der versucht sie zu blockieren, eben kurz festgesetzt wird. Dadurch wird das Recht auf freie Meinungsäusserung meiner Meinung nach nicht zu sehr eingeschränkt, die Demonstranten können von mir aus den ganzen Tag vor dem Gebäude rumdemonstrieren, wenn sie nichts Besseres zu tun haben.

      Nur sollen sie mich bitte meine Arbeit tun lassen, sonst gibt es bald einen mehr, der seinen infonavit-Kredit nicht zurückzahlen kann...

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    3. Ich war die letzten Wochen öfters bei einer Behörde, die seit Mitte Juli von zeltenden Jugendlichen belagert wird (ja, sie hat was mit den Wahlen zu tun). Die Jugendlichen fand ich vergleichsweise harmlos (*mein* Eindruck) und wurden durch die Anwesenheit einiger Verkehrspolizisten "abgeschreckt" (wobei ich mich fragte, was schmalhemdige Anfänger-Polizisten mit Gummiknüppel und ohne Schutzausrüstung gegen eine plötzlich anreisende Horde gewalttätiger Demostranten hätten ausrichten können).

      Trotz alledem war die Türe der proveedores geöffnet. Wesentlich bewachter als sonst (bewaffnete Polizei davor; PF und PM mit Gummiknüppeln dahinter); die Herren waren offensichtlich nervös (und deshalb etwas unwirsch, obwohl sie mich eigentlich hätten kennen müssen), aber es war uns mit den entsprechenden Dokumenten möglich, in das Gebäude hineinzukommen.

      Drinnen konnten wir manchmal die Sprechchöre vor dem Gebäude hören, aber wir konnten arbeiten und das Projekt vorantreiben, was die Leute vor der Tür verlangten.

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