
Wenn man sich den lieben langen Tag in einer Fremdsprache unterhält, kommt es schonmal zu Mißverständnissen. Sei es, weil man eine bestimmte Redewendung nicht zu deuten weiß oder weil man ein Wort falsch interpretiert, anstatt es im Wörterbuch nachzuschlagen.
Ein ziemlich dämliches Mißverständniss dieser Art ist mir mit unserem Architekten passiert. Zu seiner Planung gehörte neben den Bauplänen auch ein Zeitplan und eine Kostenschätzung. Zu Beiden sagte er uns, das sie ohne die
acabados sind, ausserdem fehlen Fenster und Türen. Für die Berechnung der
acabados müssten wir uns natürlich erstmal entscheiden, welche wir wollen, ausserdem hatten wir ihm gesagt, daß unsere finanziellen Reserven etwas spärlich seien, er meinte, wir könnten mit dem, was er geplant hat plus Fenster und Türen schonmal einziehen und die
acabados dann später nachholen.
Und da begann mein Mißverständniss. Ich wußte nicht, was
acabados sind, aber ich kannte das Verb
acabar,
beenden, also dürften diese
acabados die letzten Details sein, ich tippte auf Tapete, Lichtschalter, Gardinen und ähnlichen Krempel, der warten kann und der in der Tat stark vom individuellen Geschmack abhängt.
Da hätte ich mal besser nachgefragt. Mittlerweile weiss ich, daß die
acabados auch den Putz an den Wänden beinhalten. Evelyn war das klar und da sie es vorzog, in einen Rohbau zu ziehen statt weiter Miete zu bezahlen (und davon ausging, daß ich genauso denke), hat sie nichts gesagt. Naja, normalerweise verstehen wir uns etwas besser, aber es ist halt das erste Mal, daß wir zusammen ein Haus bauen, da fehlt uns noch etwas Übung.
Die gute Nachricht: Der Architekt hat sich bei der Zeit nur um eine Woche verschätzt und beim Geld lag er sogar etwas zu hoch. Wir haben also nochmal ein bischen gerechnet, unsere Reserven etwas aufstocken lassen und die Prioritäten neu verteilt, so daß wir vor unserem Einzug wenigstens alle staubigen Arbeiten (und dazu gehört das Verputzen auf alle Fälle) erledigen können. Das bedeutet natürlich auch, daß wir etwas länger bei Schwiegermuttern wohnen werden als geplant, was aber glücklicherweise niemanden wirklich stört. Und besser als uns irgendwann das komplette Inventar einstauben zu lassen ist es allemal.