Hier im Büro gibt es ein Katz und Maus-Spiel. Es geht darum, daß die Scheffin natürlich daran interessiert ist, daß die Angestellten auch die Zeit, die sie bezahlt werden, arbeiten. Und es gibt Angestellte, die damit zufrieden sind, daß sie bezahlt werden, je weniger sie dafür tun müssen, umso besser.
Als ich vor knapp 2 Jahren hier anfing, standen an verschiedenen Stellen im Gebäude Rechner, in die man zur Anwesenheitskontrolle beim Kommen und Gehen eine "Geheimnummer" eintippen mußte, die Nummer wurde mit der Uhrzeit in einer Datenbank gespeichert, das war so eine Art virtuelle Stechuhr. Das System war nicht schwer zu umgehen, wenn man mal spät dran war, rief man kurz einen Kollegen an, der tippte die Nummer ein und gut war.
Wenn man das im großen Stil praktiziert (es gibt Gerüchte von Leuten, die Dank dieser Methode tagelang nicht zur Arbeit kamen) fällt das natürlich auf. Also wurde das System in verschiedenen Varianten durchgespielt: Nach 9 durfte keiner mehr ins Gebäude, wer einmal drin war durfte vor Feierabend nicht wieder raus, wer nach 9 kam wurde von den Wachleuten gemeldet und was weiß ich, was es da noch alles gab.
Letztendlich wurden die Anwesenheits-Kontroll-Rechner mit Fingerabdruckscannern versehen, man konnte also den Kollegen nicht mehr so einfach vorschicken. Das gab, zusammen mit der Vorschrift, daß während der Arbeitszeit niemand ohne Sondergenehmigung das Gelände verlassen darf, eine halbwegs praktikable Lösung. Aber auch hier zeigte sich der Einfallsreichtum der Angestellten: Einige kamen jetzt eben vor Neun, gaben ihren Fingerabdruck ab und gingen wieder nach drausen. Schließlich wollten sie nur kurz ihre schwere Tasche abstellen und dann noch schnell draußen eine Flasche Wasser kaufen. Das gaben sie zumindest den Wachmännern an, in Wahrheit gingen sie erstmal Frühstücken, einige dieser Kasper waren selten vor 10 an ihrem Schreibtisch anzutreffen. Der Höhepunkt dieser Geschichte war ein Angestellter, der von der Scheffin zur Rede gestellt wurde und ihr antwortete "Ja aber Scheffin, Du erwartest doch nicht im Ernst, daß ich arbeite ohne gefrühstückt zu haben?".
Mittlerweile haben wir am Eingang Drehkreuze. Diese öffnen sich nur, wenn man seine Karte an einem schwarzen Kästchen vorbeizieht und anschließend der zur Karte gehörige Fingerabdruck richtig gelesen wird. Da sämtliche Bewegungen gespeichert werden, haben wir somit ein hieb- und stichfestes Anwesenheitskontrollsystem. Theoretisch. Das schwarze Kästchen hat nämlich eine Tastatur, in die man seine Angestelltennummer eingeben kann, wenn man mal seine Karte vergessen hat. Oder man gibt eine spezielle Nummer ein, woraufhin das Drehkreuz sich öffnet, ohne nach einem Fingerabdruck zu fragen. Es gibt schon wieder die ersten "Spät-Frühstücker".
Eigentlich schade, daß in 2 Wochen hier Schicht im Schacht ist, der Unterhaltungswert ist recht hoch.